Helfen hilft auch mir

Eugenia Loginova im Portait hilft ehrenamtlich
Eugenia Loginova im Portrait

Wir gehen zurück zu unseren Anfängen und veröffentlichen Portraits aus unserem Archiv. Viele Geflüchtete haben uns ihre Geschichten erzählt, als sie noch nicht lange in Deutschland waren. Gerade jetzt, wo auch Geflüchtete sich in der Corona-Krise solidarisch zeigen und unsere Gesellschaft stützen, wollen wir sie nochmal in den Mittelpunkt stellen – als Menschen und unsere Nachbarn.

Von Eugenia Loginova

Meine Name ist Eugenia Loginova. Ich bin Künstlerin und komme ursprünglich aus Sibirien in Russland. Studiert habe ich Theater, Kunst und Film in St. Petersburg, Kiel und Köln.

Zusammen mit vielen anderen Ehrenamtlichen und Geflüchteten bin ich für das Flüchtling-Magazin tätig, eine Onlinezeitung, die sich für den Kulturaustausch zwischen Deutschen und Geflüchteten einsetzt. Außerdem haben wir zusammen den Verein „Miteinander ankern“ gegründet. Dafür investiere ich etwa zwei Tage pro Woche, da ich noch andere Aufgaben als Künstlerin und Mutter habe.

Warum helfe ich Geflüchteten?

Erstens, unterscheide ich nicht zwischen der Geflüchtetenhilfe und der Hilfe sonst. Ich helfe, weil ich es für richtig halte. Helfen bedeutet für mich, eine Verantwortung zu übernehmen, die auch über längere Zeit besteht. Es hat auch etwas mit Respekt zu tun, mit Respekt zu mir selbst. Man kann sagen, es hilft mir, mehr über mich selbst zu erfahren. Ich möchte dieses Risiko eingehen und erwarte keine Belohnung. Ich lerne viel aus diesem Prozess, ich mache tausend Fehler und lasse mich überraschen.

Dabei sehe ich mich nicht einer diffusen Bedrohung ausgesetzt, sondern bekomme einen Einblick in die tatsächlichen Nöte und Probleme. Ich sehe keine Prozentzahlen sondern einzelne Individuen. Das ist vielleicht die wichtigste Belohnung für meine Bemühungen!

Gefühlte und gesetzte Grenzen – ein Appell 

Wo sind meine Grenzen? Wo sind die Grenzen den Anderen? Wir tasten um uns herum und müssen feststellen, dass diese Grenzen auch variieren können. Mal wird es enger, mal lockerer. Es gibt keine spezielle Nähe-Intensität in der Arbeit mit Geflüchteten. Und, manchmal fühlt man sich auch aus der eigenen Familie ausgestoßen.

Die größten Schwierigkeiten und auch Enttäuschungen sind die finanziellen Begrenzungen. Ich finde, die Regierung sollte Eigeninitiativen viel besser unterstützen. Momentan kämpfen wir um unser Überleben. Wie, glaube ich, viele andere tolle Initiativen das tun. Daher mein Appell an die regierenden Parteien: Wir sind die, die es schaffen. Wir brauchen aber auch ein wenig Aufmerksamkeit, Anerkennung und Ressourcen.

Teil eines Größeren werden 

Ich bin seit August 2016 bei der Arbeit mit Geflüchteten dabei. Und es gab sehr viele schöne Erlebnisse. Gemeinsames Sketchen im Park, das Ramadan-Ende feiern, ein Ausflug auf die Insel Föhr, Straßenfeste und Events besuchen, gemeinsames Vorlesen, essen, lachen und diskutieren bis spät in die Nacht und vieles mehr. Aus Unbekannten wurden Freunde, Kumpels, Kollegen. Ich bin ein Teil von etwas Größeren geworden. Ich habe mich selbst somit in diese Gesellschaft integriert und darf dadurch in dieser Gesellschaft mitgestalten. Also: Die Integration kann in beide Richtungen wirken.

Eine multikulturelle Gesellschaft bedeutet für mich eine tolerante, geduldige und selbstkritische Gesellschaft, die ständig zusammenwächst, sich erneuert und bereichert.

Da wollen wir hin.

 

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