Theater – ein Gefühl wie im Himmel

Mondpalast von Wanne-Eickel in Herne
Mondpalast von Wanne-Eickel in Herne

Ahmad Shihabi kommt aus Damaskus und hat dort 2008 seine Ausbildung als Informatiker absolviert. Er fing als Praktikant bei einem Verlag mit seiner Arbeit im Journalismusbereich an. Danach arbeitete er als Redakteur im Politik – und Kulturbereich beim palästinensichen Magazin Al-Hourriah. 2015 kam er nach Deutschland und zog Ende 2019 nach Herne in NRW. Seit Februar 2019 unterstützt er das Journalistenbüro Herne als Redaktionsassistenz

Von Ahmad Shihabi

Viele sportliche und soziale Aktivitäten wurden wegen der Corona-Epidemie abgesagt. Das Theater war keine Ausnahme in diesem Chaos. Da eine Versammlung von mehr als zwei Personen verboten ist, können die Theaterstücke nicht mehr auf der Bühne gespielt werden. Theateraufführungen sind interaktive Vorstellungen, die direkt an Fans / Gäste in der einzelnen Halle gerichtet sind.

Internationaler Theatertag

Jedes Jahr feiert die Welt am 27. März den Internationalen Theatertag. Wie jedes Jahr sollten an diesem Tag viele Aktivitäten und Veranstaltungen organisiert werden. Allerdings ist die Theaterkunst aufgrund der Corona-Krise und ihrer Ausbereitung ein Bereich, der am stärksten betroffen ist.  Weil sie ihre Aufführungen absagen mussten, und natürlich den Preis der gebuchten Tickets an die Gäste zurückzahlen, führt dies die Theater bestimmt zu finanziellen Verlusten.

Theater in Damaskus

Als ich 18 war, begann meine Geschichte mit dem Theater. Ich habe es nicht verpasst, Theateraufführungen in den verschiedenen Theatern in Damaskus  zu besuchen. Weil die Preise für die Tickets nicht zu teuer waren, konnte ich es mir leisten.

Das Theater spielte eine wichtige Rolle bei der Entwicklung meiner Persönlichkeit. Es versorgte uns mit dem notwendigen Fachwissen, das von Kulturen geprägt war, über die wir nicht gelesen hatten. Die Theateraufführungen waren eine lebendige und direkte Verkörperung der Bücher, wie „Hamlet“ von Shakespeare und „Warten auf Godot“ von Samuel Beckett. Außerdem gab es Vorstellungen, die sich mit dem alltäglichen Leben, wie Politik und Wirtschaft, beschäftigten. Solche Theaterstücke waren auch ganz wichtig, insbesondere wenn sie die Anliegen und Probleme der Gesellschaft an die Öffentlichkeit richteten und reflektierten.

Neue Erfahrungen mit dem Theater

Nach dem Krieg in Syrien konnte ich aufgrund der Sicherheits- und Wirtschaftsbedingungen nicht mehr ins Theater gehen. Diese Situation hielt bis 2017 an. Da luden zwei unserer Freunde in Hagen/NRW mich und meine Frau zu einem Theaterstück ein, um unsere erste deutsche Theater-Vorstellung anzuschauen. Danach konnte ich dank meiner Arbeit mehrere Male Theaterstücke im Mondpalast, dem größten Volkstheater Deutschlands, in Herne besuchen. Wir sahen zum Beispiel die Komödien „Ronaldo & Julia“ und „Das Schweigen der Frösche“.

Diese Erfahrungen waren völlig anders als die, die ich damals erlebt habe. Denn der Unterschied bestand am Anfang darin, dass wir mit der Sprache Schwierigkeit hatten.  Deshalb konnten wir nicht jedes Wort und die Witze der Schauspieler verstehen. Wir haben nur gelacht, wenn der Rest des Publikums gelacht hat. Und wir haben mit ihrem Applaus geklatscht. Aber mit der Zeit war das alles anders und das Thema wurde viel einfacher, so dass ich jedes Wort und jeden Witz auf der Bühne genießen konnte.

Bei allen diesen Unterschieden blieb das Wesen der Theateraufführungen gleich, nämlich dass das Theater einen Menschen in eine andere Welt führt. Eine Welt, in der man neue Kulturen und Zivilisationen genau kennenlernt, neue Freundschaften schließt, die man nicht vergessen kann. Das hilft meiner Meinung nach dabei, das Gefühl der Zugehörigkeit zum neuen Ort zu stärken. Denn was man auf der Bühne des Theaters lebt, führt tatsächlich zu einem anderen Leben – wie im Himmel.

Theater und Zukunft

Jeder hat einen Funken Hoffnung und wartet auf das Ende dieses Albtraums, in dem die Welt gegenwärtig lebt und der alle Aspekten des Lebens betrifft. Jeder hofft, dass die Corona-Krise mit minimalen Verlusten endet. Die Frage ist jedoch, ob wir in Zukunft Theaterwerke sehen werden, die von der Pandemie und ihrer globalen Ausbreitung erzählen. 

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