Aufenthaltstitel verloren – was nun?

Aufenthaltserlaubnis. Foto von Hussam Al Zaher.

Pass und Aufenthaltstitel verloren: Anwältin Angelika Bauer aus unserem Team greift in der Rubrik Frage und Antwort rechtliche Fragen auf. Diesmal geht es darum, wann man ein Anrecht auf eine Fiktionsbescheinigung hat.

Von Angelika Bauer

Frage

Hallo,
gestern und heute war ich bei der Ausländerbehörde in Karlsruhe und wurde dort sehr grob behandelt.
Meine Frau hat ihren Aufenthaltstitel und ihren Reisepass verloren. Schon Ende April haben wir den Verlust gemeldet.
Da hat man uns gesagt, sobald wir den Pass vom Konsulat bekommen haben, sollen wir zur Ausländerbehörde gehen. Dann bekommen wir eine Fiktionsbescheinigung. Das wird dann mit einem Vermerk in den Pass geklebt.

Dann hat man uns einen Termin gegeben. Und nun bei diesem Termin haben sie plötzlich gesagt, dass es so etwas gar nicht gibt; eine Ersatzbescheinigung bis zum neuen Aufenthaltstitel kommt nicht in Frage.
Und später verlangte ein Teamleiter einen Beweis/Begründung dafür, warum sie ausreisen will. Er sagte, dass er keine Bestätigung dafür geben werde, dass ein Aufenthaltstitel besteht.

Wie ist die Rechtslage?
1. Müssen sie mir die Fiktionsbescheinigung geben?
2. Kann ich dann mit der Bescheinigung auch über Serbien in die Türkei ein- und ausreisen?

Antwort

Lieber Leser,

wir finden es nicht gut, wie die Ausländerbehörde dich und deine Frau behandelt hat. Vielleicht solltest du beim nächsten Besuch eine*n Deutschen*n mitnehmen. Manchmal reagieren die Behörden dann etwas freundlicher.

Deine Frau hat ihre Papiere verloren und ihr habt das sofort bei der Ausländerbehörde angezeigt. Das war schon einmal richtig und sehr gut. Jetzt müssen natürlich neue Papiere beschafft werden und das dauer etwas. Hat Deine Frau denn schon einen neuen Pass erhalten? Ohne einen gültigen Pass kann sie Deutschland nämlich nicht verlassen – unabhängig davon, ob sie einen Aufenthaltstitel oder eine Fiktionsbescheinigung hat.

Wenn ein noch gültiger Aufenthaltstitel vorliegt, wird eine Fiktionsbescheinigung nach § 81 Abs. 4 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) ausgestellt. Das Fortbestehen des bisherigen Aufenthaltstitels wird fingiert. Der Aufenthaltstitel gilt dabei mit allen Nebenbestimmungen (auch hinsichtlich der Verfügungen zur Erwerbstätigkeit) weiter.

Deine Frau sollte also grundsätzlich einen Anspruch auf Ausstellung einer Fiktionsbescheinigung nach § 81 Abs.4 AufenthG haben. Ihr solltet einmal fragen, warum die Ausländerbehörde eine solche Fiktionsbescheinigung nicht ausstellen will. Dann solltet ihr zu einer Beratungsstelle gehen, die euch in Karlsruhe vertreten können.

 

Reisen in das Ausland und die Wiedereinreise in das Bundesgebiet sind mit einer gültigen Fiktionsbescheinigung nach § 81 Abs. 4 AufenthG möglich. Zusätzlich ist aber ein gültiger Pass erforderlich!

 

Eine Reise in die Türkei wäre also möglich mit einer Fiktionsbescheinigung nach § 81 Absatz 4 AufenthG ( bitte genau schauen, ob tatsächlich Absatz 4 genannt ist in der Fiktionsbescheinigung), aber deine Frau braucht auch noch ihren gültigen Reisepass.

 

Viel Erfolg!

 

Über Angelika Willigerod Bauer 61 Artikel
Ehrenamtlich bin ich mit viel Engagement u.a. für das Flüchtling Magazin tätig. Als Rechtsanwältin berate ich mit dem Schwerpunkt Asyl- und Aufenthaltsrecht. Ich interessiere mich für andere Kulturen, Länder und vor allem Menschen und möchte Vorurteile und Ängste unter den Menschen hier in Deutschland abbauen.

1 Kommentar

  1. Leider ist es sehr häufig so, dass Behörden grob und unhöflich auf die Anliegen von Flüchtlingen reagieren. Und es ist auch meistens so, dass vieles möglich ist, was vorher nicht ging, wenn eine deutsche Person mit dabei ist. Diese Erfahrung habe ich in den letzten Jahren leider sehr oft machen müssen.

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