Die deutsche Sprache: Lernen durch Anwenden

Homayoon Pardis. Foto: Sophie Martin

Die deutsche Sprache zu lernen war für Homayoon Pardis nicht so schwierig, er lernte schnell. Im folgenden Gespräch erzählt er was ihm dabei geholfen hat  und wie das Tandemprojekt im Flüchtling Magazin funktioniert.  Homayoon Pardis floh 2016 aus Afghanistan nach Deutschland. Stück für Stück baute sich der 34-Jährige in der Fremde ein neues Zuhause auf. Er fand Arbeit und auch Freunde. Momentan arbeitet Homayoon für die Initiative Human@Human und  leitet beim Flüchtling Magazin das Projekt Schreibtandem.

Von Sophie Martin 

Ich komme aus der Stadt Herat aus Afghanistan. In Herat habe ich Literatur studiert. Dieser Studiengang war auf Englisch. Danach habe ich für sieben Jahre als Projektmanager für die Internationale Organisation  IOM (International Organisation for Migration) gearbeitet. Die IOM ist eine zwischenstaatliche Organisation. Sie führt weltweit vor allem Hilfsprogramme für Migranten durch.

Engagement in Deutschland

Anfang 2016 bin ich mit meiner Tochter und meiner Frau nach Deutschland gekommen. Meine Tochter ist mittlerweile sieben Jahre alt und besucht die 2. Klasse einer Grundschule. Auch in Deutschland habe ich schon viel gemacht. Ich habe verschiedene Flüchtlings- und Integrationsprojekte unterstützt.

Ende 2016 entwickelte ich mit zwei deutschen Kollegen ein neues Projekt, das wir  Housing and Integration nannten. Das Prinzip ist einfach: Deutsche wohnen mit Geflüchteten zusammen und helfen sich gegenseitig. Der Geflüchtete hilft z.B. bei der Gartenarbeit oder der Kinderbetreuung. Dafür wird er beim Zurechtfinden im deutschen Alltag, beispielsweise bei Behördengängen oder Arztbesuchen, unterstützt.

Dies war sozusagen eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Leider mussten wir das Projekt jedoch einstellen, weil es keine weiteren Förderungen mehr gab. Deshalb konnten wir es nicht weiter finanzieren. Das ist sehr schade.

In Hamburg habe ich schließlich bei der Zentralbibliothek am Hühnerposten meinen Bundesfreiwilligendienst absolviert. Nun arbeite ich seit Februar 2019  bei Human@Human. Das ist ein Verein, der Partnerschaften zwischen Geflüchteten und Deutschen vermittelt. Ziel des Vereins ist es, die Geflüchteten dabei zu unterstützen die deutsche Sprache und Kultur zu erlenen. Die Deutschen helfen ihnen auch bei Behördengängen und bei der Wohnungssuche.

Außerdem helfen die Deutschen ihrem Tandempartner dabei, Hamburg und Deutschland Stück für Stück zu entdecken.

Das Schreibtandemprojekt des Flüchtling Magazins

Letztes Jahr habe ich Hussam kennengelernt. Er hat  mir erzählt, dass es  beim Flüchtling Magazin Schreibtandems gibt. Das hat mich natürlich sofort interessiert. Dieses Schreibtandem funktioniert so: ein Geflüchteter schreibt mit Unterstützung eines deutschen Muttersprachlers eigene Texte. Der Deutsche hilft hier z.B. bei grammatikalischen Fragen oder beim Finden und Anwenden der richtigen Wörter.

Oft entstehen hieraus richtige Freundschaften. Das freut uns natürlich sehr!

Wir haben eine Datenbank für die Geflüchteten und eine für die Locals. Wenn sich ein Deutscher bei uns anmeldet, ist es meine Aufgabe  aus der Datenbank einen passenden Geflüchteten herauszusuchen.  Ich vermittle also die Sprachtandems und danach begleite ich sie. Wenn sie Probleme oder Fragen haben, können sie sich immer an mich wenden, denn ich bin ihr Ansprechpartner.

Bisher haben wir 30 Sprachtandems aus verschiedenen Ländern. Viele kommen aus Syrien, Afghanistan oder dem Iran. Die Themen, über die geschrieben wird, sind sehr unterschiedlich. Oft machen die Tandems Interviews oder der Geflüchtete erzählt seine eigene Geschichte. Manche schreiben auch über ihre Erfahrungen hier in Deutschland.

Erfolgreich Deutsch lernen

Für mich war es etwas einfacher die deutsche Sprache zu lernen, weil ich in Afghanistan schon Englisch gelernt hatte. Der klassische Deutschunterricht hat mir allerdings nicht so beim Lernen weitergeholfen. Natürlich wurden mir hier die Grundkenntnisse  vermittelt. Aber das richtige Sprechen habe ich vor allem durch meine Mitarbeit in den unterschiedlichen Projekten gelernt. Dadurch hatte ich sehr viel Kontakt zu Einheimischen.

Wir haben immer nur Deutsch gesprochen und genau das hat mich so weit gebracht.

Mittlerweile habe ich meine C1-Prüfung für die deutsche Sprache erfolgreich bestanden. Natürlich ist Deutsch eine sehr schwere Sprache. Viele Flüchtlinge haben große Probleme, sie zu lernen. Woran liegt das? Einige Geflüchtete sind – leider – eher ungebildet. Sie sind nicht oder nur kurz zur Schule gegangen und haben keinen Abschluss. Viele sind auch Analphabeten und wissen nicht, wie man liest oder schreibt. Und wie soll jemand, der seine eigene Muttersprache nicht richtig beherrscht, eine neue, fremde Sprache lernen?

Über das Schreiben

Manchmal schreibe ich auch selber. Aber leider fehlt mir noch das Wissen und genug Übung, damit ich auf Deutsch das auszudrücken kann, was ich wirklich meine. Im Moment  habe ich selber noch keinen eigenen Schreibtandempartner. Ich hoffe aber, dass sich dies bald ändern wird.

Zurzeit schreiben wir über ein Thema, das meiner Meinung nach, immernoch  aktuell und wichtig ist: Integration. Hierbei beschäftigt mich vor allem eine Frage: wie kann Integration gelingen? Welche Faktoren müssen erfüllt sein, damit sie erfolgreich sein kann?

Durch mein Literaturstudium habe ich eine persönliche Motivation beim Flüchtling Magazin mitzuarbeiten. Es ist mein Wunsch, etwas mit Sprache und mit Text zu machen.

Ich  habe schon zwei Bücher veröffentlicht. Eines auf Englisch, das andere auf Dari. Das englische Buch ist eine Grammatik mit dem Titel „Step towards advanced Grammar“. Sie ist für Schüler und Studenten. Das zweite Buch ist eine wissenschaftliche Studie über die Frauenrechte in Afghanistan.

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