Ellen Lindsey Awuku kämpft für eine gute Zukunft

Ellen Lindsey Awuku / Foto: Copyright Seth B. Ansong

Bei einem internationalen Treffen in Berlin sind wir uns im Mai 2019 begegnet. Ellen Lindsey Awuku gehörte zu den Gästen beim Open SDG.Club Berlin, zu dem der Rat für Nachhaltige Entwicklung engagierte Menschen aus aller Welt eingeladen hatte. SDG – das ist die Abkürzung für Sustainable Development Goals und meint die Ziele der Agenda 2030 der Vereinten Nationen.

Was uns Teilnehmende alle verband, war das Anliegen, diese gemeinsamen Ziele für eine gute Zukunft auf unterschiedliche Weise bewusst zu machen und an der Umsetzung mitzuwirken. Weltweit geschieht das in ganz verschiedenen Arbeitsbereichen. Denn die Agenda 2030 bezieht sich nicht allein auf Umweltfragen. Auch Ziele wie Gleichberechtigung und Frieden, Armutsbekämpfung und Bildung gehören zu diesem gemeinsamen weltweiten Zukunftsprogramm. Unsere Begegnung in Berlin war kurz. Aber wir tauschten unsere Kontaktdaten aus, um weiter im Gespräch zu bleiben. Gern ist Ellen Lindsey Awuku nun dazu bereit, für das „Flüchtling-Magazin“ via Skype von ihrer Arbeit in Ghana zu erzählen.

Ein Interview mit Susanne Brandt

Das besondere Anliegen der 27jährigen Frau ist die Ermutigung und Bildung von jungen Menschen in ihrem Heimatland Ghana. Sie möchte die Jugendlichen darin bestärken, Verantwortung zu übernehmen und auf politische Entscheidungen einzuwirken. Wichtig ist das bei sozialen Fragen wie auch im Engagement für den Umweltschutz. Schon jetzt machen sich die Klimaveränderungen in Ghana deutlich bemerkbar. Das führt vielfach zu Abwanderungen von den ländlichen Regionen in die Städte. Davon wird auch die Bildung in Mitleidenschaft gezogen, wenn Kinder und Jugendliche aufgrund von existentiellen Sorgen  in den Familien keine Ruhe zum Lernen finden.

Hoffnung auf mehr partnerschaftlichen Austausch

Deswegen setzt sich Ellen besonders für gute Lebensbedingungen und Zukunftsperspektiven von Jugendlichen ein. Und sie hofft auf einen partnerschaftlichen  Austausch mit dem globalen Norden.

In folgendem Interview erzählt sie, was sie antreibt und welche Ziele ihr dabei besonders wichtig sind:

Du bist jung und mutig. Und du engagierst dich in Ghana mit und für junge Menschen. Das ist großartig und das zeigt Wirkung. Wann hast du mit deinem Engagement begonnen? Gab es ein Erlebnis, das dir gezeigt hat: Jetzt muss ich etwas tun – nicht allein, sondern gemeinsam mit vielen anderen?

Ellen: Schon als Kind habe ich die Natur geliebt und mich von allem angezogen gefühlt, was mit der Umwelt zu tun hat. Ich liebte es, der Natur nahe zu sein und wollte sie so gut wie möglich schützen. Bei meinem Haus habe ich einen Hinterhof-Garten angelegt und viele Blumen sowie Gemüse gepflanzt und sie immer sorgfältig gepflegt. Schon früh habe ich mich für eine gerechte und gleichberechtigte Welt interessiert und dafür gekämpft, etwas davon zu verwirklichen.

Lobbyarbeit und Klimawandel als Schwerpunkte

Im Jahr 2017 kam ich mit Youth Advocates Ghana in Kontakt und wurde Sponsoring-Beauftragte für den 1. afrikanischen SDG-Gipfel. Während dieser Zeit traf ich so viele junge Leute, die an den SDGs arbeiten und die mehr darüber erfahren wollten. Während dieser Zeit entwickelte ich ein immer tieferes Verständnis für die SDGs und wurde Jugendchampion für die Organisation, die sich für die SDGs einsetzt. Im Dezember 2017 kam ich mit dem Center for Sustainable Transformation in Kontakt, das mit der Leitung des Young Reporters for the Environment Programme in Ghana begann. Ich war sehr interessiert und stieg als erste Jugendboard-Direktorin und später als Nationale Koordinatorin für das YRE-Programm ein.

In dieser Zeit hat sich meine Leidenschaft für Umweltschutz und Ausbildung noch verstärkt. Ein Schwerpunkt wurde für mich die Lobbyarbeit vor allem in den Bereichen Klimawandel und Klimaschutz sowie die Durchführung von Klimastreiks in Ghana zusammen mit der Organisation und anderen Beteiligten.

Die SDGs sind ein Programm der Zukunft für die ganze Welt. Deshalb ist es so wichtig, dass Menschen in allen Teilen der Welt fragen: Wie kann ich hier so leben, dass Menschen auch anderswo die Chance auf eine gute Zukunft haben?  Aber ich vermute, wir wissen oder erkennen zu wenig von dem, was wirklich gut wäre für weltweite Gerechtigkeit. Gibt es etwas, was du den Menschen in Europa gern sagen möchtest? 

Europa und der globale Norden sollten mehr Bündnisse mit dem globalen Süden eingehen, um alle Lücken zu schließen, die die Erreichung der SDGs behindern könnten. Es gibt viele Best-Practice-Beispiele, die ausgetauscht werden müssen, und viele Lösungen, die gemeinsame Anstrengungen brauchen.

In Europa wird oft über den Zusammenhang zwischen Klimaveränderungen und Flucht diskutiert. Denn wenn der Klimawandel dazu führt, dass Menschen in verschiedenen Teilen der Welt ihr Zuhause verlassen müssen, weil sie dort nicht mehr leben können, sind große Fluchtbewegungen zu erwarten. Wie wird dieses Thema bei euch diskutiert?

Das Gespräch über Abwanderung aufgrund des Klimawandels gewinnt in Ghana und Afrika derzeit an Dynamik. Vorher hatten die meisten Leute keine Ahnung, was Klimawandel ist und konnten sich das kaum vorstellen.

Niederschlagsmuster verändern sich

Aber das sich ändernde Niederschlagsmuster, das Afrikas führende Volkswirtschaft, den Agrarsektor, betrifft, wirft inzwischen viele Fragen auf. Landwirte können heute nicht mehr vorhersagen, wann der richtige Zeitpunkt für die Pflanzung ist, und beginnen jetzt zu verstehen, worum es beim Klimawandel geht.

Immer mehr Menschen aus ländlichen Gebieten ziehen aufgrund der schwierigen landwirtschaftlichen Bedingungen nun in Städte wie Accra auf der Suche nach anderen Lebensgrundlagen.

Lösungen für klimabedingte Abwanderung gefragt

Dies führt zu einem hohen Druck auf die Einrichtungen, Strukturen, Wohnungen und Arbeitsplätze. Die Zivilgesellschaften, der Regierungs- und Privatsektor sowie die Wissenschaft führen inzwischen Diskussionen dazu, um nach tragfähigen Lösungen für diese klimabedingten Wanderbewegungen zu suchen.

Du bist oft auf Reisen und triffst Menschen in anderen Teilen der Welt, die sich ebenfalls für die SDGs engagieren. Bei welchen Themen ist eine weltweite Zusammenarbeit für dich besonders wichtig? Wie können wir uns noch besser vernetzen und gegenseitig stärken?

Ich denke, wir können einander helfen, indem wir bereits bestehende Allianzen stärken und neue in Bereichen aufbauen, in denen es noch keine gibt. Wir müssen zusammenarbeiten, um bewährte Verfahren und Erfahrungen auszutauschen und so die globalen Ziele zu erreichen.

Bürgerbeteiligung und starke Partnerschaften

Zu den wichtigsten Themen, die für die Erreichung der Ziele relevant sind, gehören: Daten und Forschung, Bürgerbeteiligung und der Aufbau starker Partnerschaften für alle Ziele, insbesondere für Klimaschutz.

Über Susanne Brandt 20 Artikel
Studierte Bibliothekswesen und Kulturwissenschaften und arbeitet als Lektorin und Autorin, hauptberuflich für die Büchereizentrale Schleswig-Holstein und ehrenamtlich für das Flüchtling Magazin - als "Nordlicht" an der dänischen Grenze vorwiegend online. Daneben ist sie in verschiedenen Projekten, z.B. als Integrationslotsin, in der interkulturellen Musikpraxis sowie im kirchlichen Bereich engagiert. Für das Flüchtling Magazin schreibt sie vor allem Beiträge mit oder über Menschen, die in Kunst und Kultur, in der Friedensarbeit oder auch in ihrer Religion etwas erleben und bewegen, was sie gern anderen mitteilen möchten. Gelegentlich stellt sie neue Bücher und Initiativen vor, die für den interkulturellen Austausch interessante Impulse liefern. Und manchmal fließen Impressionen aus Begegnungen mit Menschen auch ein in ein Gedicht oder Lied...

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