Was ein Tweet anrichten kann

Twitter. Foto: Hussam Al Zaher.

Ein Tweet hat einen langen Friedensprozess mit Peace-Talks zwischen den Taliban und den USA in einer Sekunde zunichte gemacht. Was steckt dahinter,  fragt sich die Autorin. Sie schreibt von ihren Enttäuschungen. Und sie denkt darüber nach, wie ein Friedensplan aussehen könnte, an dem das afghanische Volk lange schon mitwirken möchte. 

Ein Kommentar von Lida Ahmadi*

Ich möchte hier etwas über den Peace-Talk (Friedenprozess) in Afghanistan zwischen den Taliban und den USA schreiben. Seit mehr als einem Jahr gibt es einen  Peace-Talk zwischen den Taliban und den USA. Sie haben sich dazu nicht in Afghanistan getroffen, sondern in Nachbarländern von Afghanistan. Das ist merkwürdig, dass so ein Treffen immer in anderen Ländern und nicht in Afghanistan und ohne Afghanen stattgefunden hat. Der Krieg ist in Afghanistan, aber der Deal wird in anderen Ländern verhandelt.

Dieser Peace-Talk wurde zwischen den Parteien zwischenzeitlich sehr gut geführt und das Ergebnis hätte im September 2019 verkündet werden können. Aber dann hat der US-Präsident plötzlich in einem Tweet geschrieben, dass dieses Treffen wegen des Todes eines amerikanischen Soldaten abgesagt werden sollte.  Vorher haben die Taliban Tausende arme Menschen in Afghanistan getötet, aber die USA hat nichts gesagt. Jetzt wurde der Prozess auf einen Schlag gekündigt. Das verstehe ich nicht: Wenn ein Tweet so stark ist, dass damit ein langer Prozess in einer Sekunde vernichtet wird,  warum kann die USA mit Soldaten aus 43 Ländern nicht die Taliban aus Afghanistan vernichten?

Gespräche ohne die afghanische Regierung

Ja, ich bin dafür, dass so ein Peace-Talk gekündigt wird, weil das Gespräch nicht zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban stattgefunden hat. Es ging nur um einen Deal zwischen den USA und den Taliban. Das ist Politik. Und der Krieg in Afghanistan dauert an. Ich bin sehr enttäuscht, wenn ich an die Zukunft von Afghanistan denke.

Tweets von US-Präsident Trump

 

Die Sicherheit wird von Tag für Tag schlechter.  Und die Taliban machen weiter ihre Anschläge und töten die arme Menschen. In Deutschland bin ich gerade in Sicherheit. Aber mein Herz ist immer noch bei meinen Leuten.

Eine Zeit relativen Friedens wäre möglich

Ich denke, die gegenwärtige Regierung hat mit den Taliban nicht erfolgreich verhandelt. Die meisten Menschen haben wenig Hoffnung, dass es in Afghanistan echten Frieden geben wird. Eines der lang gehegten Bestrebungen des afghanischen Volkes während der drei Jahrzehnte des Krieges ist der Frieden. Aber leider sind die Menschen selbst nach 19 Jahren der Herrschaft mit Tausenden Soldaten in Afghanistan völlig unverständlich geworden.

Meiner Meinung nach wird es in Afghanistan eine Zeit relativen Friedens geben, in der wir einerseits die Haltung der Taliban in der Gesellschaft ändern und andererseits eine regionale und globale Konvergenz in Bezug auf Afghanistan herbeiführen müssen. Ja, wir wollen Frieden. Wir wollen das Verständnis und die Versöhnung, die Afghanistan so dringend braucht. Frieden braucht einen präzisen Mechanismus und rote Linien, die wir zu einem sehr guten Frieden in Afghanistan führen können, wenn wir einen Friedensplan in Afghanistan haben.

Ich bin mir sicher, dass die Zeit der Taliban schon vorbei ist und eine andere Gruppe in Afghanistan aktiv wird. Was wird noch gespielt? Niemand weiß das.

*Name von der Redaktion geändert.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*