Beinbrüche und andere Missverständnisse. 2. Teil

zuasammen essen. Foto: Avel Chuklanov. via Unsplash unter CC 0 Lizenz

Missverständnisse können Menschen im Alltag aufgrund verschiedener Sprachen, Kulturen und Generationen passieren. Es sind oft nur kleine Fehler, die zu Missverständnissen führen, die uns lächeln lassen, wenn sie sich aufklären. Unser Autor Ayoub, ehemals Anwalt in Syrien und seit 2015 in Hamburg, hat mit einer kleinen Gruppe von Mitgliedern von „start-with-a-friend“ kleine Missverständnis-Erlebnisse gesammelt. 

Hier folgt nun der zweite Teil dieser Sammlung.

 Von Ayoub Mezher

Um niemanden zu enttäuschen ist es wichtig, miteinander zu sprechen. Häufig können sich damit kleine Missverständnisse leicht klären lassen.

Vegetarische deutsche Frau in Südafrika

Leonie ist eine Freundin von mir aus Frankfurt. Sie erzählt mir von ihrer Zeit als Au-Pair in Südafrika. Als sie 2011 für ein Jahr dort war, hatte sie viele Schwierigkeiten mit ihrer Gastfamilie wegen ihrer Essgewohnheiten. Leonie aß nur vegetarisches Essen. Dort war das Hauptgericht jedoch jeden Tag mit Fleisch gekocht. Natürlich aß sie kein Fleisch. Ihre Gastfamilie ärgerte sich sehr darüber und sie konnte nicht verstehen, warum. Leonie merkte selbst, dass das nicht in Ordnung war und sie fragte sich, warum. Ihre südafrikanische Freundin verriet ihr, dass es in Südafrika unfreundlich ist, wenn die Gäste kein Fleisch essen. Trotzdem konnte Leonie das Fleisch nicht essen. Sie versuchte mit ihrer Gastfamilie darüber zu sprechen, aber erfolglos. Nach einem Monat fand sie eine Wohnung und Arbeit und wollte nicht mehr bei einer Familie in Südafrika leben.

Libanon, Syrien und der Kaffee 

Wenn ein/eine Syrer/in ihre  Verwandten im Libanon besucht, muss er/sie viele Traditionen beachten. Die Gastgeber in Libanon bieten ihrem Besucher eine Tasse Kaffee und ein Glas Wasser an. Das ist in Libanon die Geste um Gäste willkommen zu heißen. In unserer Stadt Alswidaa ist die Situation dagegen absolut anders und so kann es Missverständnisse geben: Dort bietet der Gastgeber seinem Besucher zuerst Matate (ein spezieller Tee) an, dann etwas Kaltes oder Obst und manchmal Essen und am Ende kommt der Kaffee. Wenn man in Syrien seinen Besucher zuerst einen Kaffee anbietet, bedeutet das, dass der Gastgeber keine Zeit zum Besuch hat und wir deshalb nur Kaffee trinken können.

Hasan und sein Kollegen im Dorf

Hasan, ein Freund von mir, hat mir von seinem Besuch in einem kleinen Dorf in Süd-Syrien erzählt. Als Hasan die Wohnung seines Kollegen erreichte, empfing ihn der Vater seines Kollegen und führte ihn zum größten hellen Zimmer. Im Gästezimmer bat er Hasan Platz zu nehmen. Hasan nahm Platz und unterhielt sich mit dem Mann. Der setzte sich nicht und alle fünf Minuten sagte er ihm: Willkommen. Nach fast einer halben Stunde kam sein Kollegen und fand seinen Vater noch immer stehend. Er hat sehr gelacht. Dort muss der Gastgeber stehen bleiben und solange „Willkommen“ wiederholen, bis der Gast ihn bittet, sich hinzusetzen!

 

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*