Fußball und Integration

Ibrahim in voller Demonstration mit Mitgliedern seines Teams Royal Excel Refugees. Foto: Royal Excel Mouscron

In Belgien, in der Stadt Mouscron, arbeiten die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende und der städtische Fußballclub eng zusammen. Sie wollen eine Mannschaft aus Geflüchteten zusammenzustellen. Das Ziel ist, Vorurteile durch Fußball abzubauen.

Eine Reportage von Laurent Dupuis und Patou Nsimba

Am Eingang zu Stadt Mouscron heißt ein großes, rot-weißes Hinweisschild, auf dem die Farbe schon abblättert, die Besucher willkommen. Mouscron liegt ungefähr 25 Kilometer von Lille entfernt, die Stadt hat weder ein UNESCO-Kulturerbe, noch eine Kathedrale oder einen Glockenturm. Das mittlere Einkommen liegt ein wenig unter dem Durchschnitt in der Region, aber man wird hier herzlich und freundlich begrüßt.

Nur einem Steinwurf von dem großen Platz in Mouscron entfernt, innerhalb des städtischen Parks, gibt es einen provisorischen Fußballplatz, auf dem die Männer sich zum Kicken treffen. Sie kommen aus Gambia, Palästina, dem Irak und, und, und…

Gemeinsam bilden sie die Fußballmannschaft der Geflüchteten in Mouscron, die Royal Excel Refugees. Es ist das erste Mal, dass ein Fußballclub aus der belgischen Liga, der Royal Excel Mouscron, ein Team aus Geflüchteten ausstattet.

Ein ganz neues Projekt

Hinter diesem Projekt steht Mouâd Salhi, Kommunikationsbeauftragter des Flüchtlingszentrums in Mouscron, einer Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende, die im letzten Februar eröffnet wurde. Das Zentrum bietet Platz für 600 Bewohner aus über 45 Nationen und man findet hier einen wahren Reichtum an unterschiedlichen Sprachen.

„Ich sah sportliche Mitbewohner, die körperlich sehr fit waren, im Hinterhof der Unterkunft Fußball spielen, ich habe sie gefragt, ob sie Lust hätten, mehr daraus zu machen. Bei mir hat es sozusagen Klick gemacht, als ich mit Ibrahim diskutiertem, einem jungen 18-Jährigen aus Guinea-Conakry, der davon träumt, Profi-Fußballer zu werden. In Afrika war er auf einer bekannten Sportschule, doch dann musste er fliehen“.

Ibrahim, ein Stürmer mit blonden Haaren und einem offenen Lächeln, stimmt dem Gesagten zu:
„Als Mouâd mir von seinem Projekt erzählte, habe ich ihm sofort gesagt, dass ich seine Idee großartig finde. Ich bin sehr glücklich, dass ich dieses Trikot tragen darf. Es ist mein Traum, Profi-Fußballer zu werden, in einer großen Mannschaft zu spielen. Und wer weiß, vielleicht werde ich durch dieses Projekt ja entdeckt“.

Ibrahim ist ein geschickter Kicker, flink mit beiden Füßen.  Er trainiert den ganzen Tag mit seinen Freunden im städtischen Park.

„Wir auf dem Platz sprechen wir Englisch, Französisch oder Arabisch. Alles läuft sehr gut. Die Mitbewohner, die kein Fußball spielen, kommen auch, um uns zuzuschauen. Dieses Projekt ermöglicht uns, aus der Unterkunft herauszukommen, zu vergessen, dass wir uns auf eine Reise quer durch Europa gemacht haben, neue Leute kennenzulernen und Kontakte aufzubauen. Die Einwohner von Mouscron haben uns gefragt, ob wir Teil ihres Teams werden wollen. Keine Ahnung, ob das funktionieren kann, aber es bringt auf jeden Fall Spaß!“

Vorurteile durchbrechen

Aus der Unterkunft herauskommen, Vorurteile abzubauen und die Integration zu fördern. Genau das sind die Ziele des Fußballklubs Royal Excel Refugees.

„Die ganze Zeit im Zimmer zu bleiben und auf die Papiere zu warten, dass ist nicht gut für den Kopf der Geflüchteten. Dieses Projekt ist für sie wie ein frischer Windstoß, wie frischer Sauerstoff. Wir brechen nicht in Tränen aus und wir werden auch nicht pathetisch, aber ich fühle mich gut, wenn ich mit meinen Freunden ein Spiel kicke und danach nach Hause gehe“, erklärt Mouâd Salhi, der in der Senioren-Mannschaft von Excel de Mouscron gespielt hat mit Mitspielern, die später Profis geworden sind.

„Und dann ist die Idee auch, das Zusammentreffen zu fördern, Barrieren und Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen, um falsche Nachrichten und Gerüchte im Keim zu ersticken.

Mouâd Salhi erzählt hierzu eine Anekdote:
„Ich wohne in der Nähe der Unterkunft und eines Abends kam ich nach Hause und diskutierte mit einem Nachbarn. Er hatte gehört, dass jeder Asylsuchende eine Visa Karte mit 3000 Euro pro Monat bekommen solle. Ich antworte daraufhin, es seien wohl eher ein Euro pro Tag.“

Als gutes Beispiel vorangehen

Mouâd Salhi hat im Frühling von der Leitung die Erlaubnis bekommen, sich den Fußballklub von Mouscron anzuschauen, der bereits ein Team aus Obdachlosen hat.

„Dieses Projekt wurde sofort von der Leitung akzeptiert“, betont Céline Mawet, ebenfalls Verantwortliche für die Kommunikation bei Royal Excel Mouscron.

„Wir sind ein offener Klub und es ist sehr wichtig, mit gutem Beispiel voranzugehen. Es ist ein Vergnügen, den Spielern zuzuschauen, wie sie das Shirt mit unserem Logo tragen. Vor allem, wenn man weiß, woher sie kommen. Und für sie ist es ebenfalls eine Möglichkeit, sich zu zeigen, sich zu präsentieren“.

Der Fußballklub stellt die Trikots, die Ausrüstung, die Bälle und bald auch ein Fußballfeld in ihrem Trainingscenter. Um ihr Projekt weiter voranzubringen, wissen Mouâd Salhi und Céline Mawet auch, dass sie auf das große Netzwerk von Mouscron Terre d’Accueil zählen können. Einem Netzwerk, dass das Zusammenleben, das Miteinander fördert, die Aufnahme und die Integration der ausländischen Personen in der Umgebung rund um Mouscron.

„Dieses Projekt zeigt, dass man Dinge zusammen machen kann, es zeigt die Vielfalt, das Facettenreichtum der Asylsuchenden, das in der Öffentlichkeit nicht so bekannt es, es spiegelt ein positives Bild wieder und das macht Eindruck“, äußert sich Sylvia Vannesche, Verantwortliche für die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Netzwerkes.

„Und dann, für die Geflüchteten selbst, ist es ungemein wichtig, dass ihr Können anerkannt wird. Sie haben Talent für den Fußball und wenn man sie einfach mal machen lässt, dann zögern sie auch nicht, dieses einzusetzen und zu zeigen“.

„Der Fußballplatz ist zu einem Ort des Dialoges geworden“

Die Spieler von Royal Excel Refugees hat bereits an drei Turnieren teilgenommen, im Juni und im Juli und nicht zuletzt in einem Trainingscenter der belgischen Fußballnationalmannschaft in Tulize.

„Als ich ihnen sagte, dass Eden Hazard und Andere der Diables Rouges in Tulize trainieren, da sah ich das Leuchten in ihren Augen“, erinnert sich Mouâd Salhi.

Einen Monat nach Einführung des Projekts gibt es keinen Zweifel mehr, dass dieses ein voller Erfolg geworden ist.

„Die Bewohner sind glücklich und stolz, das rote Trikot und das Wappen von Excel tragen zu dürfen“, erfreut sich der Kommunikationsbeauftragte des Wohnheimes.

„Wir wurden schon für Turniere angefragt, für Freundschaftsspiele, von Leuten, die Lust haben, eine gute Zeit mit uns zu verbringen, auch mit uns zu diskutieren. Der Fußballplatz ist zu einem Ort des Dialoges geworden. Die Gespräche handeln von Fußball aber auch vom Werdegang der Spieler, und es werden Freundschaften geschlossen“.

Mouâd Salhi und Céline Mawet hoffen, dass auch andere Fußballklubs der belgischen Liga ein Team aus Flüchtlingen ausstatten und fördern.

„Es ist auf jeden Fall eine sehr gute Erfahrung hier in Mouscron, eine sehr schöne und vor allem menschliche Erfahrung“, lächelt Mouâd Salhi, „ich habe nichts Großes getan, aber ich bin motiviert, auch für weitere Projekte zu kämpfen und dies nicht nur im sportlichen Bereich wie im Fußball“.

Céline Mawet versucht ihrerseits ein Zusammentreffen zu planen, vielleicht ein Training zwischen einem Flüchtlingsteam und einem Profiteam.

Einer der Mitbewohner der Unterkunft ist übrigens in dasselbe Ausbildungszentrum wie Fabrice Olinga gekommen. Fabrice Olinga ist einer der unbezwingbaren „Löwen“ aus Kamerun, der mittlerweile in der Profimannschaft von Mouscron spielt. Das Schicksal ist eben immer für eine Überraschung gut.

 

Ein Artikel von Guiti News Paris, übersetzt aus dem Französischen ins Deutsche von Sophie Martin

 

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