Der Schriftsteller Nagib Mahfus

Najib Mahfus. Foto: Eugenia Loginova.

Der Nobelpreis wird seit 1901 immer am 10. Dezember, den Todestag des schwedischen Stifters Alfred Nobel, vergeben. Die Auszeichnung ist nicht nur für Naturwissenschaftler der Fächer Chemie, Physik und Medizin, sondern auch Friedensstifter und Schriftsteller.

von Eva Paschen

Der erste Nobelpreis für Literatur wurde 1901 an den französischen Lyriker und Philosophen Sully-Prudhomme verliehen. Seitdem wurden bis 2017 insgesamt 114 Schriftsteller und Schriftstellerinnen geehrt.

Das Leben des Nagib Mahfus

1988 erhielt der Ägypter Nagib Mahfus (1911–2006) als erster arabischsprachiger Autor den Nobelpreis für Literatur.

Nagib Mahfus wurde am 11. Dezember 1911 als Sohn eines Beamten in Kairo geboren. Er wuchs in einer strenggläubigen muslimischen Familie in einem Kairoer Altstadtviertel auf, das er später in vielen seiner Romane beschrieb. Nach der Schulzeit studierte er Philosophie und ab den 1930er Jahren arbeitete er als Beamter im ägyptischen Bildungsministerium.

Neben dieser Arbeit verfasste er Kurzgeschichten und veröffentlichte 1939 den ersten von drei Romanen über die Pharaonenzeit. Angesichts des halbkolonialen Status Ägyptens zur Zeit von König Faruq stellten diese historischen Romane den Versuch dar, mit ihrer Rückbesinnung auf eine große Vergangenheit den zeitgenössischen ägyptischen Nationalismus zu stärken.

Seine Werke, Romane und Drehbücher

Mitte der 1940er Jahre wandte er sich in realistischen Romanen zeitgenössischen Themen zu. Nach Die Midaq-Gasse erlangte er mit seiner Kairoer Trilogie (Zwischen den Palästen, Palast der Sehnsucht und Zuckergässchen) die uneingeschränkte Anerkennung als führender Schriftsteller. In diesen drei Werken, die ihn weltweit berühmt machten, erzählt er die Geschichte einer Kairoer Kaufmannsfamilie über drei Generationen hinweg. Sie spürt den Wandlungsprozessen nach, welche die Gesellschaft während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgrund der Modernisierung und der Kontakte mit dem Westen durchläuft. Für die Trilogie erhielt Mahfus den ägyptischen Staatspreis für Literatur.

Für Aufsehen ganz anderer Art sorgte Mahfus 1959 mit seinem Roman Die Kinder unseres Viertels, eine Parabel auf die Menschheitsgeschichte, indem er dort Figuren auftreten lässt, die an Adam, Moses, Jesus und Mohammed erinnern. Nachdem die ersten Kapitel des Buches in der regierungsamtlichen Zeitung Al Ahram erschienen waren, erzwangen Proteste konservativer islamischer Kreise die Einstellung des Vorabdrucks. Der komplette Roman konnte wegen der anhaltenden Empörung der streng Religiösen wegen angeblicher Gotteslästerung in Ägypten erst 2006 auf Arabisch erscheinen. Davor wurde er in Kairo von der American University Press auf Englisch und im Libanon auf Arabisch verlegt.

Neben Romanen, Kurzgeschichten und Essays verfasste Mahfus auch Drehbücher. Viele seiner Werke gibt es auch als Film, unter anderem Qasr asch-Schauq (Palast der Sehnsucht, 1967) und As-sukkariyya (Zuckergässchen, 1972). Der 1995 unter der Regie von Jorge Fons entstandene Film Midaq Alley nach Mahfus’ Roman Die Midaqgasse wurde mit dem Gran Coral ausgezeichnet.

2002 wurde er in die American Academy of Arts and Siences gewählt.

Gefährliche Arbeit

Wegen seiner Unterstützung des Friedenprozesses mit Israel wurde Mahfus zum Ziel scharfer Kritik aus fundamentalistischen und arabisch-nationalistischen Kreisen. Die Nobelpreisverleihung 1988 wurde von Islamisten als Provokation seitens des Westens empfunden. Der heute in den USA wegen Terrorismus zu lebenslanger Haft verurteilte radikale Geistliche Omar Abdel-Rachman verhängte in einer Fatwa ein Todesurteil über den Preisträger. Am 14. Oktober 1994 verletzte ein islamistischer Attentäter Mahfus mit Messerstichen in den Hals lebensgefährlich. Von nun an lebte der Schriftsteller mit Personenschutz.

Mahfus trat jedoch nach wie vor gegen die Ideen eines fundamentalistischen Islam ein sowie für eine Trennung von Staat und Religion und für eine säkulare, demokratische Gesellschaftsordnung.

Im Jahr 1996 unterstützte er die Veröffentlichung des Buches Les Mythes fondateurs de la politique israélienne (Die Gründungsmythen der israelischen Politik) des Holocaustleugners Roger Garaudy, ohne sich von dessen Behauptung, der Holocaust sei lediglich eine zionistische Erfindung, zu distanzieren. Garaudy, der wegen des Verbotsverfahrens gegen das Buch in Frankreich zur Kairoer Buchmesse 1998 eingeladen war, wurde anschließend in Frankreich verurteilt und sein Buch verboten.

Nach der Nobelpreis-Verleihung wurde in Kairo, am westlichen Nilufer an einer verkehrsreichen Straße, ein Denkmal für Mahfus aufgestellt

Im Sommer 2006 berichteten Medien, dass Mahfus schwer erkrankt sei. Er starb im Alter von 94 Jahren am 30. August 2006 in einem Kairoer Krankenhaus.

 

 

 

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