Lernen, helfen, integrieren!

Picknick in Blankesene. Foto: Unbekannt.

Dagmar Esser hilft Flüchtlingen beim Lernen der deutschen Sprache und bei der Integration in die unsere Gesellschaft. Wie daraus Freundschaften entstanden sind, erzählt sie uns in dem folgenden Bericht.

Von Dagmar Esser

Der erste persönliche Kontakt zu einem Flüchtling

Dagmar Esser hilft Geflüchteten beim Lernen der deutschen Sprache. Wie daraus gute und tiefe Freundschaften enstanden sind, erzählt dieser Text.

Nach 25 Jahren München, in einer beschaulichen „Schlafgemeinde“, zog ich vor 5 Jahren recht spontan nach Hamburg. Ich kannte diese schöne Stadt von etlichen Besuchen. Persönliche Umstände unterstützten mich dabei, diesen Schnitt zu machen und einen radikalen Ortswechsel vorzunehmen. Also wurde Hamburg meine neue Heimat. In meinem Leben stets aktiv, auch im ehrenamtlichen Bereich, begann ich sofort im „Weltladen“ für fairen Handel, zu arbeiten. 2015 begann die hohe Zeit der Geflüchteten, die in unser Land kamen. Während meiner Arbeitszeit wurde uns ein junger Mann, Germen, aus Eritrea gebracht, der zu der Zeit einen Sprachkurs machte. Seine Deutschlehrerin bat uns Mitarbeiter, ihn ein wenig zu „integrieren“. Was immer man auch darunter verstand. Das war mein allererster persönlicher Kontakt zu einem Flüchtling. Wir verstanden uns gleich ziemlich gut. Er lernte gerade für den B1 Kurs und bat mich, ihn beim Lernen der deutschen Sprache zu unterstützen. Was ich auch mit Freuden tat. Dank der großen Auswahl an Lehrbüchern in der Bücherhalle, fand ich schnell in eine Art individuellen Unterricht hinein. Ich entwickelte meinen eigenen Lehrstil, den ich bis heute betreibe, und der uns beiden viel Spaß machte. Vor allem wenn man die Fortschritte sah.

Beim Lernen helfen

Es dauerte nicht lange, und ein Freund von Germen, Tesfit, bat mich ebenfalls um Hilfe beim Lernen. Das war der Beginn einer langen, bis heute andauernden Beziehung, die schließlich zur Patenschaft führte. Das sprach sich herum, und es folgten weitere „Schüler“. Und natürlich blieb es nicht beim Lernen. Für mich gehört zur Integration ebenso die Hilfe bei Ämtern, die Suche nach einer Wohnung, einer Ausbildung und natürlich auch die Kultur und Eigenheiten unseres Landes. Auch die Freizeitaktivitäten kamen nicht zu kurz. Wir unternahmen Radtouren mit Picknick, gingen in den Zoo, besuchten das Planetarium, das Miniaturwunderland u.v.m.

So begann für mich ein neues Leben mit einer kleinen neuen Familie. Es sind meine „Jungs“. Germen, der inzwischen eine Freundin und eine gute Arbeit gefunden hat, ist inzwischen Vater von Zwillingen geworden. Seine Freundin und er sind natürlich überglücklich, so dass nun auch die neue Generation dazu kommt. Und natürlich neue Herausforderungen, wie Wohnung finden, Ausstattung besorgen usw. Aber auch da bin ziemlich kreativ und langsam ein „Fuchs“ geworden.

In den 5 Jahren habe ich etwa 25 Schüler gehabt. Zahlreiche haben ihre Ziele erreicht, was uns alle stolz macht. Aber natürlich sind auch einige abgesprungen, die keinen Sinn im Lernen sahen und lieber nur arbeiten und Geld verdienen wollten.

Deutsche Bürokratie

Ich selber habe in den letzten Jahren unglaublich viel gelernt. Da ich ein sehr kreativer Mensch bin, (Fotografin, Malerin), hatte ich mich bisher wenig bis gar nicht für Bürokratie und Ämter interessiert und falls nötig, an andere delegiert. Es waren zu viele Regeln und eine Amtssprache, die ich auch heute noch nicht immer ganz verstehe und zu wenig Spielraum. Wir sind bei den unendlich vielen Behördengängen auf sehr motivierte Mitarbeiter gestoßen, die emphatisch waren und hilfsbereit. Doch natürlich gab es auch eine Anzahl von überforderten, unleidlichen und schlecht gelaunten Ansprechpartnern. Sehr gute Erfahrungen habe ich mit den diversen Leitern /innen und Sozialpädagogen/innen der Handwerksinnungen gemacht. Die Kontakte, die ich zu ihnen geknüpft habe, haben uns immer weitergeholfen, wenn auch in manchen Fällen mit ständigem Nachfragen und etwas Druck.

Eine neue Familie

Wenn ich an die Anfänge zurückdenke, kann ich es nur als großes Glück empfinden, was da geschehen ist. Als Witwe mit 2 erwachsenen Töchtern und 3 großen Enkelkindern, die ihr eigenes Leben führen, konnte mir nichts Schöneres passieren, als meine neue Familie, die mir in meinem neuen Lebensabschnitt viel Sinn und Glück bringt, und um die ich mich nun, wenn nötig, rund um die Uhr kümmern kann. Ich knüpfe auch weiterhin neue Beziehungen, wie jetzt zum „Magazin für Flüchtlinge“. Ich finde es sehr gelungen und wünsche ihm viel Erfolg. Möglicherweise kann ich den einen oder anderen meiner Jungs dazu überreden, ebenfalls eine kleine Geschichte zu schreiben. Man wird sehen.

Dagmar ist als Ehrenamtliche beim Patenschaftsprojekt human@human aktiv.

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