Frage und Antwort: Geburtsurkunde fehlt – was tun?

Foto: Janko Ferlič - @specialdaddy Unsplash unter CC 0 Lizenz

Anwältin Angelika aus unserem Team greift in in dieser Rubrik rechtliche Fragen auf. Heute geht es um eine Frage zur Einbürgerung von in Deutschland geborenen Kindern und die dafür nötigen Geburtsurkunden.

Antworten von Angelika Willigerod Bauer

Guten Tag,

ein Ehepaar aus Syrien lebt seit 30 Jahren in Deutschland. Sie sind bereits eingebürgert. Für die in Deutschland geborenen Kinder sollen sie zur Einbürgerung ihre Geburtsurkunden vorlegen, diese sind jedoch nicht vorhanden. Was ist zu tun?

Lieber Ratsuchender,

ein Kind ausländischer Eltern erwirbt mit seiner Geburt in Deutschland neben der Staatsangehörigkeit der Eltern auch die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn ein Elternteil zum Zeitpunkt der Geburt seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt. Nach Vollendung des 21. Lebensjahres muss das Kind sich zwischen der deutschen und der ausländischen Staatsangehörigkeit entscheiden (Optionspflicht), es sei denn, es ist in Deutschland aufgewachsen oder es besitzt neben der deutschen nur die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Staates oder der Schweiz. Dieses Geburtsortprinzip gilt seit dem Jahr 2000.

In § 10 Staatsangehörigengesetz heißt es dazu u.a.:

(1) Ein Ausländer, der seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland hat und handlungsfähig nach § 37 Absatz 1 Satz 1 oder gesetzlich vertreten ist, ist auf Antrag einzubürgern, wenn er….[…]

(2) Der Ehegatte und die minderjährigen Kinder des Ausländers können nach Maßgabe des Absatzes 1 mit eingebürgert werden, auch wenn sie sich noch nicht seit acht Jahren rechtmäßig im Inland aufhalten.

Wir wissen jetzt nicht, wie alt die Kinder des syrischen Ehepaares sind und wann die Eltern eingebürgert wurden. Aber eigentlich müssten die Kinder bereits die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen, wenn die Eltern zur Zeit der Geburt bereits eingebürgert waren oder 8 Jahre rechtmäßig in Deutschland gelebt haben.

Die syrischen Eltern mussten doch bestimmt auch ihre Geburtsurkunden bei der Einbürgerung vorlegen. Dann müssen sie den Behörden bekannt sein. Sollten die Geburtsurkunden der Kinder gemeint sein, wäre es ausreichend einen Auszug aus dem Geburtenregister vorzulegen, wenn es keine Geburtsurkunden gibt.

Unsere Empfehlung wäre, sich nochmals mit der zuständigen Einbürgerungsbehörde (meistens die Ausländerbehörde) in Verbindung zu setzen.

Viel Erfolg!

Über Angelika Willigerod Bauer 57 Artikel
Ehrenamtlich bin ich mit viel Engagement u.a. für das Flüchtling Magazin tätig. Als Rechtsanwältin berate ich mit dem Schwerpunkt Asyl- und Aufenthaltsrecht. Ich interessiere mich für andere Kulturen, Länder und vor allem Menschen und möchte Vorurteile und Ängste unter den Menschen hier in Deutschland abbauen.

1 Kommentar

  1. Sehr geehrte Frau Bauer,

    ich bin syrer. Ich habe einen unbefristeten aufenthalt. Meine Frau hat Aufenthalt für drei Jahre. Wir haben in Deutschland ein Kind bekommen. Unser Kind hat Aufenthalt für 3 Jahre bekommen. Meine Frage: warum hat unser Kind keinen unbefristeten Aufenthalt bekommen?
    Kann ich etwas dafür machen?

    Vielen Dank im Voraus
    Mit freundlichen Grüßen

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