Politische Cartoons im Exil – Karikaturen von Fares Garabet

Karikaturenausstellung von Fares Garabet. Foto: Tilla Lingenberg

Ayoub Mezher und Tilla Lingenberg, ein Schreibtandem, waren am 6. Juni 2019 bei der Eröffnung der Karikaturen-Ausstellung des syrischen Karikaturisten Fares Garabet in Hamburg Eppendorf. Hier beschreiben sie ihre Eindrücke und berichten von ihrem Gespräch mit Fares Garabet an diesem Abend.

Von Tilla Lingenberg und Ayoub Mezher

Fares Garabet wurde in Damaskus (Syrien) geboren und studierte in Damaskus, Rom und Kairo. Seit 1993 war er Professor und seit 2013 Dekan der Fakultät für Grafik und Innenarchitektur an der Internationalen Universität Damaskus.

Garabet zeichnete in Syrien vorwiegend für die Zeitungen Al Wataniah und Al Raya in Quatar.

Wegen des Krieges und nachdem Garabets kritische Karikaturen nicht mehr gedruckt wurden, wagte er 2016 die Flucht nach Deutschland. Nun lebt er mit Frau, Tochter und Sohn in Dresden. Mittlerweile ist sein Aufenthaltsstatus anerkannt. Er veröffentlicht seine Zeichnungen auf verschiedenen Webseiten und in der Süddeutschen Zeitung.

Ein Ausstellungsbesuch mit Politischen Karikaturen

Am 03. Juni 2019 war ich sehr überrascht, als meine Kollegin Tilla mich fragte, ob ich Zeit und Lust hätte, sie zur Ausstellung des Künstlers Fares Garabet in Eppendorf zu begleiten, um ein Interview zu machen. Obwohl ich keine Erfahrung in solchen Aktivitäten habe, ging ich mit ihr dahin.

Um Viertel nach sieben erreichte ich die Ausstellung, traf mich mit Tilla und begann mit ihr die Zeichnungen anzusehen und unsere Aufgabe zu besprechen. Die Zeichnungen wurden auf elegante Weise gezeigt. Sie drücken Gewalt und Ungerechtigkeit in der Welt und in Syrien aus, wo der Künstler in Damaskus geboren und aufgewachsen ist. Fares Garabet zeigt in seinen Zeichnungen die zunehmende Kluft zwischen den menschlichen Träumen von Freiheit und Würde – und der Realität auf der anderen Seite. Die Realität einer Welt, in der z.B. Trump oder Putin Menschen an ganz verschiedenen Orten manipulieren und bevormunden, um sie zu beherrschen.

Nach einem vorbereiteten Dialog zwischen der Veranstalterin und dem Künstler, betrachten alle die Zeichnungen. Neben uns wollen auch viele andere interessierte Besucher mit Fares Garabet sprechen und ihn zu den Karikaturen befragen.

Fares Garabet. Foto:Tilla Lingenberg

Mein erstes Interview

Ich stelle ihm zwei Fragen: „Kann ein Karikaturist außerhalb der Politik aktiv sein und eine aktive Rolle spielen?“ Er antwortet: „Ja, ein Karikaturist kann in verschiedenen Bereichen tätig sein. Er kann z.B. Kinder dazu inspirieren, positive Gedanken über die Gesellschaft, die Umwelt und für eine bessere Zukunft der ganzen Welt zu haben.“ Für Kinder zeichnete Fares Garabet darum Comics und veröffentlichte bereits vier solcher Bücher.

Meine zweite Frage betrifft seine Vision als Künstler, der einen ausgeprägten menschlichen Sinn für die Rolle des extremistischen, religiösen Denkens hat. Hier stellt Fares Garabet fest, dass einige extremistische religiöse Ideen und Praktiken – wie sie vom sogenannten Islamischen Staat und anderen Gruppen unter verschiedenen religiösen Namen, praktiziert werden – sicherlich weiterhin ein wichtiges Thema in seinen Zeichnungen sein werden.

Zu den Hindernissen, denen er sich in Bezug auf das neue Umfeld, die Kultur, die Sprache und anderen Anforderungen stellt, sagt Fares Garabet: „Natürlich brauchen wir Zeit, um die deutsche Sprache zu beherrschen und die Menschen hier zu kennen, aber so oder so werde ich immer weiter zeichnen.“

„Ich zeichne immer gleich am Morgen.“

Im Gespräch erzählt Fares Garabet, dass er jeden Morgen, nach der Lektüre von Zeitungen und News-Seiten im Internet, Bild-Ideen zu den aktuellen Themen bekomme und diese dann zeichne. Dann wähle er aus all den Skizzen die Beste, Treffendste heraus und zeichne sie mit Feder und Pinsel zur fertigen Karikatur. Am liebsten ohne Worte, damit man sie weltweit verstehen könne. Zu deutschen Themen traue er sich noch keine Karikaturen zu. Erstens, meint er, sei er hier ein Gast und zweitens kenne er die deutsche Kultur und Politik noch nicht so gut, um treffende Bilder zu zeichnen.

Eine Besonderheit sind die Fingerabdrücke in seinen Zeichnungen. Hierzu sag Fares Garabet: „Einerseits ist das einfach eine grafische Struktur, andererseits ein Symbol für Fingerabdrücke, die Verbrechern bei der Polizei genommen werden.“ Sein ironischer Hinweis auf ihn selbst als Verbrecher, der Wahrheiten aufzeigt, die keiner sehen will.

Unser Fazit: Ein toller Abend mit aufwühlenden Karikaturen, interessanten Gesprächen und Livemusik mit dem syrischen Musiker Ziad Khawam sowie einem weiteren Musiker aus seiner Oriental Band.

Wer die Zeit findet sich die Karikaturen anzusehen, sollte hingehen, es lohnt sich.

Mehr Cartoons von Fares Garabet kann man hier ansehen: https://www.cartoonmovement.com/p/73552/cartoons?p=2

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Kunstklinik, soziokulturelles Zentrum Eppendorf, Martinistraße 44 a. Bus Nr. 25 hält fast vor der Tür.

Besichtigungszeiten bis zum 9.8.2019: Mo/Do/Fr 12:30-15:00, Mi 18:00-19:30 Uhr + nach Vereinbarung

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