Jung und motiviert gegen den Ärztemangel

Ronny und Ahmad sprechen über das Studium in Deutschland. Foto:

Ahmad ist einer von vielen talentierten und engagierten syrischen Geflüchteten, die nun über die nötigen Deutschkenntnisse verfügen, um sich für ein Studium zu bewerben. Ahmad träumt von einem Studium der Zahnmedizin und wird sich diesen Sommer dafür bewerben. Im Interview mit Ronny Röwert spricht er über seine Ziele, seine Herausforderungen und dass er nicht der Einzige ist.

Ein Interview von Ronny Röwert

Die erste Hälfte dieses Jahres ist bald rum. Was sind deine persönlichen Ziele für das gesamte Jahr?

Ahmad: Bis zum Frühjahr habe ich einen C1 Deutschkurs besucht und nun auch erfolgreich die Prüfung bestanden. Das war ein großer Erfolg für mich. Wenn alles weiter gut klappt, dann ist mein großes Ziel, dass ich mich diesen Sommer erfolgreich für das Studienfach Zahnmedizin bewerbe.

Das ist ambitioniert, aber auch sehr konkret. Was ist deine größte Herausforderung dabei, das Ziel zu erreichen, an einer deutschen Hochschule das Studium aufzunehmen?

Ahmad: Die größte Herausforderung bei der erfolgreichen Integration in ein Studium ist für mich nicht unbedingt das Erlernen der deutschen Sprache. Es ist eher das deutsche Universitätssystem. So wie ich mich informiert habe, ist es so, dass selbst wenn man die deutsche Sprache beherrscht, dann gibt es nur eine sehr begrenzte Anzahl an Studienplätzen. Bewerberinnen und Bewerbern aus dem Ausland, insbesondere aus Syrien, stehen nur wenige Studienplätze zur Verfügung. Ich habe erfahren, dass es an vielen Universitäten für medizinische Fächer eine sogenannte Ausländerquote von 5 Prozent gibt. Als syrischer Bewerber habe ich große Sorge, dass es dann keinen Studienplatz für mich geben wird, obwohl ich ein sehr gutes Abitur aus Syrien habe, das hier auch so anerkannt wurde und selbst wenn ich ein gutes Sprachzeugnis für Deutsch habe.

Nachvollziehbar, dass du nun gerne deinen Wunsch wahr machen möchtest und ein Studium, am liebsten Zahnmedizin, aufnehmen möchtest. Wie kam es zu dem Wunsch, Zahnmedizin zu studieren?

Ahmad: Ich habe schon immer großes Interesse an Medizin bzw. Zahnmedizin gehabt. Im letzten Herbst habe ich dann ein Praktikum bei einem Zahnarzt in Hamburg gemacht. Dort habe ich spannende Aufgaben übernehmen dürfen und war auch durch meine Übersetzungsdienste eine Hilfe. Ich habe mich dann weiter informiert, wie ein Studium der Zahnmedizin genau abläuft und welche Inhalte dort zu lernen sind. Das begeistert mich noch immer und deswegen möchte ich das Studium aufnehmen.

Welche Unterstützung kannst du gebrauchen auf dem Weg zum Ziel, das Studium aufzunehmen?

Ahmad: Überall wird erzählt, dass es in Deutschland einen Mangel an Ärztinnen und Ärzten gibt. Da verstehe ich es nicht, warum dann vor allem ausländische Studieninteressierte wie ich, die auch durch interkulturelle Erfahrungen eine besondere Expertise im Umgang mit Menschen haben, nicht besser unterstützt werden. Ich wünsche mir, dass es mehr Informationen dazu gibt, an welchen Hochschulen man Medizin bzw. Zahnmedizin studieren kann. Auch wären Informationen zu den Chancen auf Studienplätze hilfreich und mehr Hilfsangebote dazu, wie ich meine Chance auf ein medizinisches Studium erhöhen kann. Manchmal fällt es mir auch schwer herauszufinden, wo ich dazu die beste Beratung finde. Zum Glück bin ich in Hamburg, wo es an der Universität Hamburg eine gute Beratung für studieninteressierte Geflüchtete gibt. In kleineren Städten oder auf dem Land ist das sicher noch viel schwieriger.

Hast du Bekannte, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen?

Ahmad: Im Sprachkurs und auch im Freundeskreis habe ich viele junge, motivierte syrische Geflüchtete kennengelernt, die auch über ein sehr gutes Abitur verfügen und nun hier sehr souverän die deutsche Sprache lernen. Viele sind nun in diesem Sommer so weit und bereit, um ihre C1-Deutschprüfungen zu absolvieren. Natürlich möchten dann alle auch möglichst direkt im Anschluss ein Studium aufnehmen. Ein weiteres Jahr warten oder in Vorbereitungsprogrammen weiter warten wäre für viele der Geflüchteten eine große Enttäuschung. Wir sind noch jung, sehr motiviert und davon begeistert unser Leben zu gestalten, aber wenn es mit den Zielen wie der Studienzulassung dann noch länger dauert, verlieren wir die Begeisterung. Dieser Sommer wird für viele wie mich der Sommer der Entscheidung über ein Studium. Wenn wir länger warten müssen, wird unser Feuer kontinuierlich ausgemacht.

Was sind deine langfristigen Ziele für dein Leben?

Ahmad: Es ist wichtig für mich, dass ich gut ausgebildet sein werde. Ich habe ein sehr gutes Abitur in Syrien gemacht und will es nutzen, um erfolgreich in Deutschland studieren zu können. Nach dem Studium würde ich gerne eine sinnvolle Arbeit ausüben und solange es mir in Deutschland gut geht auch hier bleiben.

Wie Ahmad geht es vielen Geflüchteten in Deutschland. Wir haben deshalb für euch einige Informationen zum Studium in Deutschland recherchiert. Aufgepasst: Bald endet die Bewerbungsfrist fürs Wintersemester!

Hochschulzugang für Geflüchtete in Deutschland – Fünf Fragen mit Antworten

  1. Mit welchem Status kann ich mich für ein Studium bewerben?

Geflüchtete können grundsätzlich unabhängig vom Stand ihres Asylverfahrens und von ihrem Aufenthaltsstatus ein Studium aufnehmen, wenn sie die entsprechenden hochschulrechtlichen Voraussetzungen erfüllen. Die Chancen auf ein Hochschulstudium sind also unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Jedoch hat die Aufnahme eines Studiums auch keinen Einfluss auf das Asylverfahren.

  1. Berechtigt das Schulzeugnis aus dem Heimatland zu einem Hochschulstudium?

Wer in Deutschland studieren will, benötigt eine sogenannte Hochschulzugangsberechtigung (HZB). Auf der Website https://www.uni-assist.de/tools/check-hochschulzugang/ können Studieninteressierte mit Fluchthintergrund schnell und einfach erfahren, ob die Zeugnisse zum Studium in Deutschland berechtigen.

  1. Wo können sich Geflüchtete für die Hochschulbewerbung beraten lassen?

Jede Hochschule in Deutschland bietet eine Studienberatung an. Viele Hochschulen bieten zusätzlich besondere Beratungsangebote für studieninteressierte Geflüchtete an. Zum Beispiel biete die Universität Hamburg mit dem Programm #UHHhilft ─ Studienorientierung für Geflüchtete (https://www.uni-hamburg.de/uhhhilft.html) offene Sprechstunden sowie konkrete Qualifizierungsangebote zur Vorbereitung auf ein Hochschulstudium an. Generell gilt, dass Zulassungsvoraussetzungen und Bewerbungsverfahren immer für den konkreten Studiengang und die konkrete Hochschule bei diesen Beratungsstellen an den Hochschulen zu erfragen sind.

  1. Gibt es besondere Zulassungsprozesse für Medizin-Studiengänge?

In bestimmten zulassungsbeschränkten Studiengängen wie Zahn- und Humanmedizin haben einzelne Universitäten sogenannte Vorabquoten von 5 Prozent für internationale Studierende festgelegt. Die jeweiligen Zulassungsverfahren für Medizin-Studiengänge sind für studieninteressierte Geflüchtete an der jeweiligen Hochschule zu erfragen.

  1. Bis wann sind Bewerbungen für ein Hochschulstudium einzureichen?

Bewerbungsfristen sind der 15. Juli für das Wintersemester und der 15. Januar für das Sommersemester. Studieninteressierte Geflüchtete sollten sich jedoch weit im Voraus an die Beratungsstellen der Hochschule für Fragen zu Dokumenten, Sprachvoraussetzungen, der Anerkennung von Zeugnissen, Finanzierung des Studiums etc. wenden (siehe Frage 3).

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