Warum sind die deutschen Frauen so kalt?

Maen Elhemmeh in einem Workshop. Foto: Mahmoud Aryan
Maen Elhemmeh in einem Workshop. Foto: Mahmoud Aryan

„Wir leben seit zehn Jahren zusammen, aber er/sie versteht mich überhaupt nicht.” Das ist ein Satz, den Sie vielleicht von Paaren gehört haben, die seit mindestens zehn Jahren verheiratet und in derselben Kultur aufgewachsen sind. Die in derselben Gesellschaft leben, das gleiche Bildungssystem durchlaufen, über ähnliche Witze gelacht haben und viele ähnliche Werte teilen. Vielleicht haben sie auch dieselbe Religion und sogar die gleiche Muttersprache. Können Sie sich dann die gleiche Situation für ein Paar vorstellen, das aus zwei völlig unterschiedlichen Kulturen, Gesellschaften, Bildungssystemen, Werten, Religion stammt?  Und das nicht einmal die gleiche Muttersprache hat?

Ist der Titel dieses Beitrags eine Verallgemeinerung? Ja, das ist er. Und Sie können argumentieren, dass Verallgemeinerungen nicht richtig sind, selten stimmen und nicht weiterhelfen. Ich stimme Ihnen zu. Ich glaube, dass jede Gesellschaft einen breiten Regenbogen von Menschen hat, und dass wir Menschen nicht stereotypisieren können.

Menschen sind verschieden – aber es gibt Trends

In jeder Gesellschaft gibt es jedoch einen Trend. So ist es wahrscheinlich, dass die Mehrheit der Deutschen pünktlich kommt oder sie sich zumindest melden, wenn sie nicht pünktlich sind. Im Gegensatz dazu ist dies im Süden von Europa eher nicht der Fall. Sie könnten auch feststellen, dass die Mehrheit der syrischen Frauen es als ihre wichtigste Aufgabe empfinden, dass ihre Wohnungen und Kinder sauber und ordentlich bleiben.

Die meisten Zivilisationen haben eine Art gemeinsamer Verhaltenstendenzen. Diese Trends werden nicht von allen Menschen gelebt, aber sind in der Gesellschaft deutlich wahrzunehmen. Was mich in den letzten zweieinhalb Jahren fasziniert hat, ist die Beobachtung von typischen zwischenmenschlichen Herausforderungen bei unterschiedlichen Kulturen.

Aber wie entwickeln sich konkrete Beziehungen zwischen zwei Menschen, die beide aus diesen unterschiedlichen Kulturen stammen? Ich möchte Ihnen dazu Geschichten erzählen, die auf wahren Begebenheiten basieren. Ich habe sie selbst erlebt. Details wurden ein wenig geändert, um die Identität der Menschen zu schützen. Die erste Geschichte handelt von Katharina und Imad:

Ein Ja verstehen, wenn ein Nein gemeint ist

Katharina ruft Imad am Dienstag an, um ihn zu fragen, wann genau sie sich treffen könnten. Imad antwortet Katharina, dass er seine Verfügbarkeit nicht bestätigt hat! Und er sagt, dass er nicht verfügbar sei. Katharina ist sehr verärgert. Sie denkt, dass sie für ihn nicht wichtig genug sei. Imad spürt, dass Katharina ihn zu einem Treffen drängt und so Druck auf ihn ausübt. Er wird sogar am Ende zum Termin kommen, auch wenn es zu spät ist.

Zwei Wochen später ruft Imad bei Katharina an. Er vermisst sie so sehr. Er fragt sie, wann sie sich nächste Woche treffen können. Katharina antwortet, dass sie so viel zu tun habe und zur Tanzschule gehen müsse. Sie entschuldigt sich und sagt, sie habe leider keine Zeit. Für Katharina ist alles gut. Aber für Imad ist Katharina in diesem Fall selbstsüchtig, unhöflich und einfach nur kalt.

Höflichkeit heißt: nicht Nein sagen

Dies ist ein Beispiel für Missverständnisse zwischen West und Ost, die durch direkte und indirekte Kommunikation verursacht werden. Die Mehrheit der Menschen aus dem Nahen Osten wurde jahrelang darin unterrichtet, nicht Nein zu sagen. Aber sollten wir immer Ja sagen? Bis zu einem gewissen Punkt ja. Für uns heißt das Höflichkeit. Und wir werden unser Bestes geben, um die Erwartungen unserer Lieben zu erfüllen.

Aber in dem Moment, in dem es überhaupt keinen Grund gibt, Ja zu sagen, werden wir ablehnen, ohne Nein zu sagen. Wie das geht? Einfach das Thema wechseln. Über etwas anderes reden. Über ein anderes Datum in der folgenden Woche sprechen.

Eigene Bedürfnisse klar kommunizieren

Katharina wird einfach nur Ja oder Nein sagen, basierend auf ihrem Kalender. Und zwar unter Berücksichtigung einer angemessenen Anzahl von Stunden für ihre Hobbys und den nötigen Schlaf. Andererseits wird Imad immer versuchen, ein Treffen zu der Zeit zu ermöglichen, nach der Katharina ihn fragt. Und wenn es für ihn wirklich unmöglich ist, wird er nicht Nein sagen. Er wird das Thema wechseln. Katharina deutet dies anders: Imad hat nicht klar Nein gesagt. Also deutet sie es als Ja. Sie wird das Treffen fest einplanen und einen Tag vorher nach Einzelheiten fragen. Damit wird sie ihn schockieren, der (unbewusst) nicht an seiner Absage zweifelt, da er einfach das Thema gewechselt hat.

Viele Männer aus dem Nahen Osten würden die Bedürfnisse ihrer Mütter oder Ehefrauen als wichtiger ansehen, als ihre eigenen. Sie würden unter Druck geraten und vermeiden, Nein zu sagen, wenn sie nach etwas gefragt werden. Im Gegenteil dazu, konzentrieren sich die meisten deutschen Frauen (der heutigen Zeit) auf ihre eigenen Bedürfnisse. Sie kommunizieren diese sehr klar und hinterlasse bei Imad und seinen Freunden den Eindruck, dass sie die Beziehung nicht schätzen und dass sie fast keine Gefühle für ihn haben.

Männern Respekt entgegen bringen

Auf der anderen Seite verstehen Frauen aus dem Nahen Osten unbewusst ihre Rolle im Leben ihrer Männer.  Sie spüren, dass es viele Männern gibt, die durch die Worte ihrer Frauen oder Mütter selbstbewusst werden.

Diese Frauen werden versuchen, ihren Männern Respekt und Interesse entgegen zu bringen. Auch wenn sie es nicht glauben. Sie tun dies, um die Beziehung zu wahren, die in den Werten des Nahen Ostens vor allem für Frauen so wichtig ist. Imad vermisst unbewusst dieses Verhalten in Katharinas Haltung. Deshalb hat er eher das Gefühl, dass sie sich nicht wirklich für ihn interessiert. Oder er denkt einfach nur: Alle deutschen Frauen sind kalt!“

Was hilft: Auf und Ab reflektieren

Ich bin der Meinung, dass beide Partner sich ihrer Prioritäten bewusst sein sollten. Sie sollten klar kommunizieren, was sie in einer Beziehung erwarten. Wenn sie eine Beziehung eingegangen sind, sollten sie einmal im Monat das Auf und Ab reflektieren und die Auswirkungen verschiedener Kommunikationsmethoden in die Diskussion mit einbeziehen. Wie ist das?

Sie sollten ihre Erfahrungen in einem Buch notieren und die folgenden drei Fragen monatlich beantworten:

Was war gut im letzten Monat und warum?

Was war im letzten Monat nicht gut und warum?

Was erwarten wir voneinander?

Ich habe in der Geschichte von Katharina und Imad versucht zu erklären, wie es zu der Annahme des Titels kommen kann. Es gibt natürlich auch solche Annahmen zu Männern: Warum sind Männer aus dem Nahen Osten so aggressiv? Aber das ist schon die nächste Geschichte. Fortsetzung folgt!

Ein Beitrag von: Maen Elhemmeh

1 Kommentar

  1. Das deutsche Frauen gefühlskalt sind habe ich von Ausländern auch immer wieder gehört. Das sie schwierig sind, dem konnte ich ja nicht wiedersprechen. Aber (eis-)kalt? Da habe ich immer wieder eine Lanze gebrochen und gesagt, dass sie auch nur Menschen sind, die Gefühle haben. Als ich dann mit einer Ausländerin zusammen war erlebte ich das erste mal den enormen Unterschied. Ich habe sehr geweint als ich den Unterschied fühlte. Ich kannte das ja zuvor nicht. Inzwischen sind viele Jahre vergangen und ich war mit zwei weiteren Frauen aus dem Ausland jahrelang zusammen. Eine Beziehung mit einer deutschen Frau kann ich mir nicht mehr vorstellen. Zu kalt, teilweise finde ich ja schon den Kontakt entwürdigend bzw. Menschen/-Männerverachtend.
    Doch wie kommt das? Es gibt verschiedene Punkte. Eines ist wohl das ich persönlich von deutschen Frauen für meine menschlichen Bedürfnisse verurteilt wurde. “Männer denken immer nur an das eine”… auch wenn ich mich einfach nur nach Verbundenheit sehnte oder einfach nach Liebe. Aber so im nachhinein – das ich für die erotische Liebe verurteilt wurde… es geht bei manchen deutschen Frauen sogar noch weiter. Sex ist keine Liebe. Es wird der tiefen Verbundenheit die Liebe abgesprochen. Sehr traurig. Auch die Agape liebe wird hier entwürdigt/ geohrfeigt. Viele deutsche Frauen wissen nicht einmal was das ist – während das in anderen Ländern selbstverständlich ist. Die Agape Liebe ist ein Gefühl der Liebe, für den anderen da zu sein, dem Gegenüber zu helfen und zu unterstützen. Wer einer deutschen Frau mal geholfen/sie unterstützt hat, weiß wie schmerzhaft sich das anfühlt. Man wird attackiert, da sie das ja selber kann und was man doch für ein Chauvinst wäre… Mann wird beleidgt. Für mich hat sich das bei den deutschen Frauen über die Jahre so angefühlt:
    Du zeigst durch Taten (Agape Liebe), das du sie liebst und du spürst das auch – gleich dem Moment in dem du jemanden deine Liebe gestehst. Danach wirst du dafür verurteilt – ich bin emanzipiert! Das Liebesgeständnis wird mit einem Tritt in die Eier verletzt…
    Ich dachte früher immer das es an mir lag. Das ich ein Einzelfall sei. Mittlerweile weiß ich, dass ich dafür verantwortlich war – ich hätte auch mal mit anderen Menschen über die kulturen Unterschiede reden müssen und einen großen Bogen um sie machen müssen.
    Hätte nicht gedacht, dass mich das Thema nach all den Jahren noch immer so bewegt.

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