Frage und Antwort: Heirat zwischen Deutschland und Syrien

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In dieser Rubrik beantwortet Anwältin Angelika Willigerod Bauer aus unserem Team rechtliche Fragen, die uns zugesendet werden. Diesmal geht es um das Thema Heirat. Kann ein Syrer, der in Deutschland lebt, eine Frau in Damaskus heiraten, ohne bei der Eheschließung selbst anwesend zu sein?

Ein Syrer, der in Deutschland als Flüchtling anerkannt ist, möchte eine Syrerin heiraten, die in Damaskus lebt. Weil er bei der Hochzeit selbst nicht in Syrien sein kann, möchte er seinen Vater, der auch in Damaskus lebt, bevollmächtigen, den Heiratsvertrag abzuschließen.

Stellvertretung bei der Heirat ist möglich

Die Ehe ist ein Vertrag, der beide Parteien persönlich bindet. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die persönliche Anwesenheit beider Eheschließenden bei der Eheschließung zwingend notwendig ist. Art. 8 Abs. 1 PSG lässt ausdrücklich die Stellvertretung bei der Eheschließung (at-taukīl fī z-zawāǧ) zu.

Der Stellvertreter ist aus der Sicht des deutschen Rechts als Bote zu qualifizieren. Er bringt lediglich den Willen einer der Parteien zur Eheschließung zum Ausdruck, in diesem Fall wäre es der Vater, der den Sohn vertritt. Die Auswahl des Ehepartners kann jedoch nicht dem Stellvertreter überlassen werden. In der Praxis ist die Stellvertretung bei der Ehe in Syrien üblich und allgemein anerkannt.

Vollmacht und Registrierung

Häufig heiraten syrische Männer auf diesem Weg, um die Frau nach Deutschland nachzuholen. Der in Deutschland lebende Syrer muss eine Vollmacht auf seinen Vater ausstellen, dass dieser den Heiratsvertrag mit der Syrerin im Namen des Sohnes abschließt. Es muss dann eine Registrierung bei einem syrischen Gericht erfolgen. Dazu müssen dann noch entsprechende Unterlagen vorgelegt werden.

Eine Vollmacht kann der Syrer bei jedem Notar ausstellen lassen. Er muss dann genaue Angaben der Frau und von sich selbst machen. Diese Vollmacht muss anschließend beglaubigt und ins Arabische übersetzt werden. In die syrische Botschaft muss er dafür nicht.

Autorin: Angelika Willigerod Bauer

Über Angelika Willigerod Bauer 59 Artikel
Ehrenamtlich bin ich mit viel Engagement u.a. für das Flüchtling Magazin tätig. Als Rechtsanwältin berate ich mit dem Schwerpunkt Asyl- und Aufenthaltsrecht. Ich interessiere mich für andere Kulturen, Länder und vor allem Menschen und möchte Vorurteile und Ängste unter den Menschen hier in Deutschland abbauen.

4 Kommentare

  1. In meine Flüchtlingsberatung kam ein Syrer, der eine Handschuh-Ehe eingehen will. Er meinte, die Vollmacht müsse von der syrischen Botschaft beglaubigt werden (mit dem Risiko aus § 72 AsylG). Sie schreiben, eine (notarielle) Vollmacht müsse beglaubigt werden, ohne die syrische Botschaft betreten zu müssen. Wer macht dann die Beglaubigung? Oder ist damit die Beglaibigung durch den Notar gemeint?

  2. Danke, für die Klarstellung, dass es diese nach syrischem Recht legale Möglichkeit für eine Eheschließung gibt.
    Aber ergibt sich daraus ein “Anspruch” für eine Einreise der Frau aus Syrien nach Deutschland, zumal nach der geltenden Regelung für den “Familiennachzug” nur diejenigen nach Deutschland als Familienangehörige nachreisen können, zu denen bereits vor der Flucht eine familiäre Bindung bestand!

  3. Guten Tag !
    Ich kümmere mich seid einigen Jahren um eine Familie aus Deutschland.
    Der Sohn der Familie möchte gern aus seiner Heimatstadt in Syrien heiraten.
    Er hat eine Auffenthaltserlaubnis .
    Was muss er jetzt unternehmen?Vielen Dank

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