Heimat und Ich – ein Buchprojekt zum Mitmachen

Die Suche nach der Heimat ist Thema dieses Buchprojekts (Foto: Patrick Hendry auf Unsplash)

„Manchmal vergessen wir, wer wir sind. Manchmal verkennen wir, dass wir nicht alleine sind und manchmal, da übersehen wir das Unbekannte.”

Mit diesen Gedanken umschreibt Golschied Rahmani ein Buchprojekt, für das sie Beiträge von Menschen sucht, die ihre Heimat verlassen und sich eine neue suchen mussten. Es richtet sich an geflohene Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die ihre persönliche Geschichte erzählen möchten. 

„Wie soll deine Zukunft aussehen?”

„Heimat und Ich“ soll eine Erinnerung für alle sein, die vergessen, verkennen und übersehen. Erwünscht sind handschriftliche Texte wie auch künstlerische Darstellungen, die in Anlehnung an folgende Leitfragen entstehen können:

  • Was ist für dich Zuhause oder Heimat?
  • Denkst du, das Deutschland deine neue Heimat ist oder es werden könnte?
  • Was sind deine Wünsche und Hoffnungen?
  • Wie soll deine Zukunft aussehen?

Die Textbeiträge sollten nicht mehr als 350 Wörter Umfang haben und in deutscher, ausnahmsweise aber auch in jeder anderen Sprache, die dem Verfasser oder der Verfasserin seine oder ihre bestmögliche Entfaltung gewährleistet, erstellt werden.

Einsendungen sind bis zum etwas Ende April 2019 an folgende E-Mail-Adresse zu schicken: projekt.heimat-und-ich@web.de

Dort gibt es auch weitere Auskünfte zum Buchprojekt.

Eine sorgfältige Auswahl der Geschichten, Gedichte oder Zeichnungen soll in Form eines Buches veröffentlicht werden. Gewinne werden an gemeinnützige Projekte, Einrichtungen, Vereine etc., die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren, gespendet.

„Jede Geschichte ist wertvoll” – ein Interview mit Golschied Rahmani

Das „Flüchtling-Magazin” wollte von Golschied Rahmani, die in Deutschland aufgewachsen ist, mehr über das interessante Buchprojekt erfahren. In einem Interview mit Leonardo De Araújo erzählt sie davon:

Golschied Rahmani (Foto: Privat)

L.A: Golschied Rahmani, was hat Sie dazu motiviert, ein solches Buch in Angriff zu nehmen? Und was ist Ihr Ziel angesichts der Vielfalt an Material was Sie erhalten werden?

G.R.: Diese Idee hat mich schon eine ganze Weile begleitet. Ich habe ihr bisher nur nicht
genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Ich bin ein Mensch, der gerne beobachtet und versucht, seine Umwelt bewusst wahrzunehmen. Zu sehen, dass es Menschen gibt, für die es schwierig zu sein scheint, dem Unbekannten wenigstens eine Chance zu geben, empfinde ich als belastend.
Alle Menschen und vor allem die, die Ihre Heimat verlassen mussten, haben eine  Geschichte. Manchmal, wenn man den Eindruck hat, dass man nicht verstanden wird, weil nicht
zugehört oder nicht hingesehen wird, kann das rastlose Verlangen entstehen, erzählen zu
wollen. Genau das möchte ich ermöglichen.

Für mehr Verständnis und Akzeptanz untereinander

Das fertige Buch soll eine Möglichkeit für alle Erzählenden, Betroffenen und allgemein für
unsere Gesellschaft bieten, mehr Verständnis und Akzeptanz füreinander zu erlangen.
Ich wünsche mir, dass jeder, der sich von dem Buchprojekt „Heimat und Ich“
angesprochen fühlt, seiner Intuition folgt und zu schreiben beginnt.
Wenn nicht für das Projekt, dann zumindest für sich selbst.

L.A.: Inwiefern haben persönliche Erfahrungen in Ihrer Entscheidung, das Buch zu
schreiben, eine Rolle gespielt?

G.R.: Natürlich prägen uns unsere persönlichen Erfahrungen in unserer Denkweise und somit
auch darin, was für einen Beitrag für die Gesellschaft geleistet wird. Ich selbst bin in Deutschland geboren und empfinde mich auch als deutsch. Nur manchmal erinnern mich die Reaktionen meiner Umwelt, dass ich auch was „anderes“ außer deutsch sein könnte. Das ist schade, denn wie lautet die Definition eines „deutsch“ aussehenden Menschen? Ich durfte mit dem Gedanken aufwachsen, dass alle Menschen gleich viel wert sind und dass man das in keiner Situation vergessen sollte.
Wenn ich mir heute nur zwei Haltestellen Busfahrt anschaue, wird dieser Gedanke leider
nicht von jedem getragen.

L,A,: Die Menschen werden aufgefordert, Geschichten, Bilder, Gedichte etc.
einzureichen. Werden Sie nach einem besondern Muster vorgehen, um alle Einträge
gerecht berücksichtigen zu können?

G.R.: Jede Geschichte ist wertvoll und ich werde auch jeden einzelnen Beitrag lesen.
Leider wird es nicht möglich sein, allen Texten einen Platz im Buch zu schenken; eine
Herausforderung. Jeder Beitragsstil soll aber vertreten sein; in welchem Verhältnis, steht noch nicht fest.

„Dem Unbekannten eine Chance geben”

L.A.: Haben Sie ein besonderes Publikum im Visier oder meinen Sie eher, dass jeder
in der breiten Masse irgendetwas für einen selbst dort finden wird?

G.R.: Das Buch verfolgt das Ziel, jeden einzuladen oder vielleicht sogar aufzufordern, hinein zu
blättern und dem noch Unbekannten eine Chance zu geben. Die Macht von Geschichten,
Gedichten oder Zeichnungen sollte nicht unterschätzt werden.
Am schönsten wäre es natürlich, wenn genau die Teile der Gesellschaft, die noch keinen
Zugang zu dieser Thematik finden konnten, diesen über das Buch finden können. 

L.A. Eine letzte, sehr persönliche Frage. Was bedeutet Heimat für Sie? Haben Sie z.B.
einen Geburtsort als Heimat oder auch eventuell eine geistige Heimat, da wo Sie
sich sehr wohl fühlen und sich keine Fragen stellen nach dem Warum?

G.R.: Eine vollständige Antwort zu dieser Frage wird es im fertig gestellten Buch zu lesen geben.
Meine geistige Heimat sind die vielen unterschiedlichen Orte und Begegnungen mit ihren
vielen facettenreichen Gesichtern, die ich besuchen und denen ich begegnen durfte und
nun in mir trage. Als Reisender auf dieser Erde kann jeder Ort gedanklich zur Heimat werden.

Die Fragen an Golschied Rahmani stellte Leonardo De Araújo

Über Leonardo De Araújo 40 Artikel
Leonardo De Araujo hat Werbung und Marketing in seiner Heimatstadt, Rio de Janeiro, studiert und mehrere Jahre in der Werbung gearbeitet. Seit 1984 arbeitet er für den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk und schreibt nebenbei Drehbücher und Artikel.

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