Warum bin ich nach Deutschland gekommen?

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Als der Traum von einem freien und demokratischen Syrien von der Regierung brutal unterdrückt wurde und in einem Bürgerkrieg endete, gab es für viele Menschen keine Alternative, als nach Europa zu fliehen. Mazen Hassoun erzählt davon wie es war, seine Heimat zu verlieren und ruft dazu auf, sich in Deutschland gegenseitig zu unterstützen.

„Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?“ Wenn Sie Flüchtling sind, haben Sie diese Frage vielleicht schon einmal gehört. Naja, der Fragensteller beantwortet sie manchmal sogar selbst: „Um unsere Arbeitsplätze zu stehlen“.

Mein Name ist Mazen Hassoun, ich bin einer von Hunderttausenden syrischen Flüchtlingen, die Anfang 2015 nach Deutschland gekommen sind. Der Heimat den Rücken zu kehren ist für alle Menschen sehr schwierig. Man muss widerwillig alles hinterlassen: Seine Familie, seine Freunde, seine Schule und sein Zuhause. Syrien war kein armes Land, in dem die Menschen in einer langen Schlange warten und um ihr tägliches Essen bitten. Wir hatten dort genug Essen und Geld, zumindest vor dem Krieg. Aber was uns richtig gefehlt hat, etwas das ihr Deutsche alle habt, war ein bisschen Menschenwürde.

Assad-Familie hat Syrien regiert, als wäre das Land Privateigentum

Seit 1971 und nach einer langen Reihe von Militärputschen, durch die Syrien an Stabilität verloren hat, regierte die Familie Assad das Land. Sie machte es zu einer Diktatur, in der Menschen wegen ihrer politischen Aussagen verfolgt, eingesperrt und umgebracht wurden. Wir haben für fast fünfzig Jahre unter der Macht des nahöstlichen Hitlers gelebt. Die Assad-Familie hat Syrien regiert, als wäre es ein Familienbauernhof, als wäre es Privateigentum, in dem niemand Rechte hat, außer dieser Familie. Bis zum Jahr 2011 ist es so gewesen, bis wir unser Schweigen gebrochen haben und auf die Straße gegangen sind, um Freiheit und Menschenwürde zu fordern. Viele Syrer waren euphorisch: „Ist es soweit? Bekommen wir endlich unsere Freiheit?“, haben sich viele gefragt. Es war der verlorene Traum aller Syrer und es war knapp, dass dieser Traum nicht verwirklicht werden konnte.

Europa war die einzige Möglichkeit

Allerdings waren wir später enttäuscht, als der sogenannte Islamische Staat kam. Diese extremistische und radikale Gruppe behauptete, das sie für uns komme, um uns zu befreien. Sie hat jedoch vielmehr Assad geholfen, unseren Traum gestohlen und das Land in einen Bürgerkrieg geführt. Die Hoffnung war verblasst. Man konnte in Syrien nicht mehr leben oder träumen. Es gab intensive Luft- und Giftgasangriffe. Viele Menschen sind ums Leben gekommen, auch Kinder und Frauen. Der Krieg kennt aber keine Kinder und Frauen.

Ich versuchte mir danach ein neues Leben zu suchen, meine Zukunft zu retten, da niemand dieses Land retten konnte oder wollte. Es gab für uns nur eine einzige Alternative: Nach Europa zu flüchten. Die Türkei kam nicht in Frage, dort hat man keine Zukunft. Man muss mindestens zwölf Stunden für nur 5 Euro am Tag hart arbeiten und selbst das reicht nicht aus, um sein Leben zu sichern. Europa war die einzige Möglichkeit.

Deutschland gibt mir, was ich brauche

Ich wohne seit vier Jahren in Deuschland und besuche jetzt ein Weiterbildungskolleg in Dortmund. Hier hole ich mein Abitur nach, da ich es in Syrien nicht abschließen konnte. Ich habe deutsch gelernt und habe jetzt hier das Ziel, Journalist zu werden. Deutschland gibt mir, was ich brauche und ich bin dankbar dafür. Wir Flüchtlinge sind nicht hier, um die Arbeitsplätze der Deutschen zu stehlen. Wir suchen eine neue Heimat, denn unsere wurde gestohlen und es ist nicht einfach. Wie wäre es, wenn wir uns alle gegenseitig unterstützen würden? Wir könnten zusammen leben, versuchen einander zu verstehen und nicht zu beurteilen. Es wäre so schön und ich bin sicher, es wird eines Tages so sein.

Autor: Mazen Hassoun

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