Wege in den deutschen Arbeitsmarkt: maritimes competenzcentrum

Hamburger Hafen. Foto: Jana Spieß

Das ma-co – maritimes competenzcentrum GmbH – ist Bildungsträger für deutsche Seehäfen und die hafennahe Logistik. Ein Team aus 35 festen Mitarbeitern qualifiziert mit zusätzlichen 60 freien Trainer*innen jährlich über 600 Teilnehmer*innen in sämtlichen Bereichen dieses umfang- und facettenreichen Arbeitsmarktes. Der Urspung des ma-co liegt in der 1975 in Hamburg und Bremen gegründeten Hafenschule. Heute bietet es auch vielen Geflüchteten und Schutzsuchenden die Chance zum Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt. Unser Autor Leonardo De Araújo hat sich mit ma-co-Mitarbeiterin und Ansprechpartnerin für Arbeitssuchende Svenja Steffens zu einem Interview getroffen, um mehr über diesen Weg in den Job zu erfahren. 

Frau Steffens, Sie sind im ma-co – maritimes competenzcentrum – in Hamburg, in der Abteilung Service für Arbeitssuchende tätig. Würden Sie uns bitte Ihr Arbeitsfeld näher beschreiben?

Ich bin quasi als Personalreferentin tätig: Ich bin das Bindeglied zwischen den Arbeitssuchenden und den potentiellen Arbeitgebern, die aktuell kein geeignetes Personal auf dem freien Arbeitsmarkt finden.

Seit wann arbeiten Sie denn in der Vermittlung von Geflüchteten bzw. Schutzsuchenden?

Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 haben wir uns gefragt, was für eine Leistung das maritime competenzcentrum aufbringen könnte. Wir sind schnell davon abgekommen, uns auf dem Markt der Sprachkurs- bzw. Integrationskursanbietern zu bewegen. Wir sind ein gewerblich-technisch orientierter Weiterbildner. Bei uns erlernen Menschen unterschiedliche Funktionen und Patente für ihre tägliche Arbeit. Wir sind bei dieser Spezialisierung geblieben.

Seit Ende 2016 sind wir mit der Handelskammer Hamburg im Gespräch, um die Feststellung der Kompetenzen für Schutzsuchenden im Bereich Logistik auf den Weg zu bringen. Dabei sind wir dem Pilotprojekt im Bereich der Gastronomie gefolgt. Wir haben uns an diesem Modell orientiert und es so adaptiert, dass es für den Bereich Logistik passt. Der Anfang des Jahres 2017 wurde von uns verwendet, um die Maßnahmen unter Berücksichtigung der vorhandenen Regularien zu etablieren. Seit September 2017 setzen wir diese Maßnahmen für Schutzsuchenden um und bieten ihnen damit eine Perspektive für den Start ins Arbeitsleben.

Was ist die größte Schwierigkeit bei der Aufnahme beziehungsweise bei der Vermittlung von Schutzsuchenden?

Wir nehmen diese Menschen erst einmal für die Dauer von 10 Tagen auf, um deren mitgebrachten Kompetenzen im Bereich der Logistik zu testen, auch wenn sie keine Zertifikate haben. In der Realität sieht es auch so aus, dass Menschen zu uns kommen, die über keinerlei Erfahrung in diesem Bereich verfügen. Es sind zum Beispiel neben einigen LKW-Fahrern auch viele Bauern, Landwirte oder Menschen, die beim Militär gedient haben. Unsere Aufgabe ist, diese recht heterogene Gruppe in 10 Tagen so kennenzulernen, damit wir allen gerecht werden.

Wir bilden zwei Sprachgruppen: Arabisch und Farsi – damit eine verständliche und gerechte Kompetenzfeststellung vorgenommen werden kann. Alle anderen Ethnien und Kulturen, die wir vorfinden, werden von uns in Englisch betreut. Manchmal sprechen die Schutzsuchenden schon recht gut Deutsch und können den Unterricht und die Aufgaben direkt auf Deutsch gut verstehen. Das Interessante jedes Mal ist, diese völlig unterschiedliche zwanzig Menschen aus verschiedenen Kulturen zueinander zu bringen. Auch für die Trainer bedeutet das immer eine Herausforderung aufs Neue.

Die Aussichten bei ma-co – maritimes competenzcentrum:

Nach zehn Tagen bekommen die Kandidaten unserer Kompetenzfeststellung Logistik eine Verweisberatung Richtung jobcenter teamarbeit Hamburg bzw. Agentur für Arbeit. Erst danach wird entschieden, wie mit jedem Kandidaten weiter verfahren wird. Mit der Verweisberatung enden zunächst unsere Aktivitäten mit den Kandidaten. Die Verweisberatung kann in Richtung Aufnahme der Arbeit, Bewerbung für Ausbildungsstellen oder auch in Richtung Sprungbrettqualifikation in den JOB lauten.

Einige Teilnehmer kommen zu uns in das ma-co zurück, wenn sie sich für die Qualifikation zum POWER-Logistiker entscheiden. Diese hat dann den JOB selbst und die relevanten Qualifikationen in den JOB im Fokus. Die Schutzsuchenden haben über den POWER-Logistiker mit voriger Einstellungszusage die Möglichkeit, nach 100 Tagen in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis eines Logistikunternehmens zu gelangen und ihren eigenen Lebensunterhalt selbstständig zu bestreiten.

Das Interview führte: Leonardo De Araújo

 

Über Leonardo De Araújo 36 Artikel
Leonardo De Araujo hat Werbung und Marketing in seiner Heimatstadt, Rio de Janeiro, studiert und mehrere Jahre in der Werbung gearbeitet. Seit 1984 arbeitet er für den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk und schreibt nebenbei Drehbücher und Artikel.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*