Demonstrieren, um ein Zeichen zu setzen

Hasan Biram von dem Rathaus Hamburg. Foto von

Meine Name ist Hasan Biram. Ich komme aus Syrien und bin 27 Jahre alt. Ich habe in Syrien  Zahnmedizin studiert. Im September 2015 bin ich nach Deutschland gekommen. Zunächst habe ich als Dolmetscher bei der AWO und als Zahnarztassistent gearbeitet. Durch die Arbeit konnte ich Deutsch lernen, da es für mich ohne Aufenthaltserlaubnis kein Möglichkeit gab, mich in einer Sprachschule anzumelden.

Ich habe einen Antrag auf Anerkennung meines Zeugnisses gestellt und suche nach einer Stelle, um als Assistent bei einem Zahnarzt in Hamburg zu arbeiten. Ich wünsche, dass mein Zeugnis anerkannt wird, damit ich mich zahnmedizinisch weiterbilden und als Zahnarzt arbeiten kann.

Integration bedeutet für mich, dass ich die Regeln respektiere, arbeite und Steuern zahle. Ich glaube, dass ich die Integration schaffe, weil ich mein halbes Leben im Ausland gelebt habe (in Frankreich, Russland, in den UAE und in der Türkei).

Ich bitte die Einheimischen, dass sie nicht pauschalisieren. Jede Situation spricht für sich selbst. Darum möchte ich diese Botschaft schicken. Die Gemeinschaft in Deutschland ist nicht ganz neu für mich. Jedes Land hat positive und negative Aspekte. Man möchte überleben und das beste aus seinem Leben machen. Das Leben ist kurz,  um etwas zu verändern.

Als ich gehört habe, was mit Susanna, diesem  jüdischen  Mädchen passiert ist, habe ich viel nachgedacht und überlegt, was ich für dieses Mädchen machen kann.

Man kann sich ehrlicherweise kaum die Hoffnung machen, dass anderen Mädchen so etwas nicht mehr passieren würde. Jedes Mädchen sollte ein Pfefferspray für seine Sicherheit bei sich tragen – so meine Empfehlung.  Außerdem bin ich mit Flyern zum Rathaus gegangen, damit ich mit eigener Stimme mein Beileid zum Ausdruck bringen kann zu dem, was mit Susanna passiert ist. Ich habe das auch auf mein Plakat geschrieben.
Ich bin ein syrischer Zahnarzt und bin nach Deutschland als Flüchtling gekommen.
Ich setze ein Zeichen gegen das, was Susanna angetan worden ist.
Ich hoffe, dass sie in Ruhe ruhen möge und ich spreche ihrer Familie mein tiefes Beileid aus.
Hoffentlich wird der Verbrecher für seine Handlungen bestraft.

Woher kommt diese Idee? 

Jemand  hat mich gefragt, was ich darüber denke. Danach dachte ich, dass ich meine Haltung dazu zeigen muss.

Warum hast diese Idee umgesetzt? 

Ich musste einfach meine Meinung und Solidarität dazu zeigen.

Warum hast du das allein gemacht nicht mit anderen? 

Viele Leute sind schüchtern um haben Angst, das zu machen, weil sie nicht wissen, wie die Leute darauf reagieren werden. Deswegen entschloss ich mich, es allein zu machen.

Wie hast du deine Idee organisiert?

Ich dachte, dass es ein gutes Zeichen wäre.  Dann habe ich ein Stück Karton beschrieben und mich mit  Blumen vor das Rathaus gestellt.

Wie haben die Deutschen reagiert? 

Sie waren nett und manche haben mir gesagt, dass sie verstehen, dass nicht alle Leute gleich und nicht alle Flüchtlinge kriminell sind. Sie haben sich bei mir bedankt.  

Was hast du genau gemacht? 

Ich habe demonstriert und Blumen verteilt.
Ich bin für die Demonstration vor das Rathaus in Hamburg gegangen, weil ich zeigen möchte, dass wir uns gegen ein solches Verhalten stellen.  Als Geflüchtete sollen wir unsere Missbilligung gegen ein solches Verhalten zeigen. Ich hoffe, dass die Deutschen ein bisschen Geduld haben und mit den Kriminellen strenger sind.

Warum ist dir diese Botschaft wichtig? Glaubst du, dass die Deutschen keine Geduld haben? 

Doch, aber wir können damit einen positiven Eindruck vermitteln. Denn manche rechten Parteien nutzen diese Nachricht aus, um Hass zu verbreiten. Ich denke, das  ist dumm.
Warum?

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