Antisemitismus unter Geflüchteten

Samer Fahad. Privates Foto

 

Ich bin Samer Fahed aus Syrien und wohne seit zweieinhalb Jahren in Berlin. An der Uni von Damaskus habe ich Wirtschaftswissenschaften studiert und drei Jahre als Buchhalter gearbeitet.

In Syrien war ich ein politischer Aktivist, deshalb interessiere ich mich für Politik. Im August 2017 bin ich der SPD eingetreten – nach einem Kurs der politischen Vorbereitung mit der Partei, die 6 Monaten dauerte. Also bin ich jetzt Mitglied.

Antisemitismus unter Geflüchteten

Ich glaube, es gibt Antisemitismus unter den arabischen Geflüchteten in Deutschland. Man kann nicht sagen, dass nur die Muslime antisemitische Ansichten haben, auch unter den arabischen christlichen Geflüchtete kommt Antisemitismus vor.

Aber ich kann auch nicht sagen, dass alle Geflüchteten die gleiche Feindschaft gegenüber Juden hegen. Denn die Geflüchteten haben unterschiedliche kulturelle Hintergründe.

Die Feindschaft zwischen Israel und den arabischen Ländern macht die Lücke zwischen ihnen sehr groß – das ist der Hauptgrund, glaube ich. Es ist auch notwendig zu sagen, dass die Juden in den arabischen Ländern vor der Gründung des Staates Israel nicht unsicher waren.

Verständnis erlangen und schaffen

Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich immer an die sensiblen Themen zwischen der deutschen und der syrischen Gemeinschaft gedacht. Sie sorgen für Stress zwischen uns, weil es ein Unverständnis gibt. Deshalb finde ich, dass ich die Themen gut verstehen muss, um sie meiner Gesellschaft gut zu erklären. Und so bin ich vor 8 Monaten dem Projekt „Discover Diversity” bei einem Berliner Verein beigetreten. Der Verein heißt „Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus”, kurz „KIgA“ genannt. 

Dieses Projekt soll das Konzept des Antisemitismus für die Geflüchteten in Deutschland erklären. Es wird die deutsche Geschichte von der Weimarer Republik bis zur Gegenwart, die demographische Zusammensetzung und das gesellschaftliche Leben der deutschen Gesellschaft sowie die Geschichte der Migranten vermittelt. 

Ziel des Projekts ist es, eine Gruppe von Geflüchteten aus Syrien, Afghanistan und Palästina auszubilden, um Monitoren für Schüler der Willkommensklassen zu werden. Es geht darum, die Bedeutung des friedlichen Zusammenlebens in Deutschland abseits von Antisemitismus und Diskriminierung anderer Minderheiten zu erklären, und ich bin mit anderen 12 Personen dabei.

Woher kommt die Feindseligkeit?

Die große Feindschaft zwischen uns kommt wegen der 1948 Nakba¹. Und nach vielen Friedensveträge zwischen Israel und den anderen arabischen Staaten, hat Israel sich nie daran gehalten für die Palästinenser. Es blockierte weiterhin den Gazastreifen und das Westjordanland. Diese Nachrichten wurden und werden von den Arabern als eine starke Herrschaft über die Schwachen angesehen.
Als Geflüchteter kann ich nicht mehr machen, aber ich kann gut verstehen, was der Antisemitismus bedeutet, und wie wichtig ist für uns ist, im Frieden in Deutschland zusammen zu leben.
Die diskriminierten Minderheiten in Deutschland beeinflussen auch Geflüchtete, weil sie hier ebenso zur Minderheit zählen.

In Frieden zusammen leben 

In dem Projekt „Discover Diversity” lernen wir die Geschichte von Deutschland, und wie wir als neu Angekommene in dieser Gesellschaft in Frieden zusammen leben können. Am Ende des Projektes werden wir als Trainer den neuen Schülern der Welcome-Klassen erklären, was Antisemitismus ist und welche Unterschiede es in dieser Gesellschaft gibt.
Das Respektieren des Gesetzes und des Anderen ist sehr wichtig für das Zusammenleben in Deutschland.
Autor: Samer Fahed
¹zu deutsch: Katastrophe oder Unglück, Bezeichnung im arabischen Sprachraum für die Flucht und Vertreibung ca. 700.000 arabischer Palästinenser aus dem früheren britischen Mandatsgebiet Palästina, das am 14. Mai 1958 zu einem Teil als Staat Israel seine Unabhängigkeit erlangte. Quelle: Wikipedia. Nakba. Seitenaufruf: 22.05.2018.

4 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Al Zaher,

    ich hatte Ihnen vor drei Tagen eine Email geschickt, auf die Sie bisher nicht reagiert haben. Daher veröffentliche ich den Text hier nochmals als Kommentar und bitte um eine Antwort.

    “Sehr geehrter Herr Al Zaher,

    in Ihrem Flüchtling-Magazin bin ich auf ein Interview mit Ihnen gestoßen unter dem Titel „Die Frauen hier haben einen starken Charakter.“ In diesem Artikel heißt es:

    “Du hast ja eine deutsche Freundin. Kommt es da manchmal zu schwierigen Situationen?

    Ja, vor ein paar Tagen zum Beispiel. Sie lebt alleine in einer Wohnung und ich wohne auch manchmal da. Diese Woche hat sie zu mir gesagt: „Ich bin Deine Freundin, aber nicht Deine Hausfrau“. Ich habe „Aha“ gesagt und gelacht. Dann haben wir zwei Tage lang über dieses Thema diskutiert. Sie hat Recht, denn sie arbeitet und ich auch – aber wir müssen auch gemeinsam zu Hause arbeiten. Ich habe auch kein Problem damit.”

    Sowie weiter unten:

    ” Aber meine Freundin beispielsweise ist jünger als ich – und daher habe ich schon das Gefühl, dass ich mich manchmal um sie kümmern sollte, weil ich mehr Lebenserfahrung habe.”

    Quelle: https://www.fluechtling-magazin.de/2018/03/25/25-3-die-frauen-hier-haben-einen-starken-charakter/

    Ich wollte hier nachfragen, in welchem Kontext das Wort “Freundin” gemeint ist? Ich habe es so verstanden, dass Sie mit dieser Frau eine romantische Beziehung haben (im Gegensatz zu einer platonischen Freundin). Ist dies korrekt?

    Freundliche Grüße”

  2. Sehr geehrter Herr Fahed,
    ich finde es sehr lobenswert, dass Sie sich dieser sensiblen Thematik widmen und sich aktiv für ein friedvolles Zusammenleben einsetzen.
    Zu versuchen, die Hintergründe der Wut, welche einige Arabischstämmige Juden gegenüber hegen, zu verstehen, ist sehr wichtig. Hervorzuheben, dass es nicht zwingend Muslime sein müssen, trägt zur korrigierten Sichtweise bei.
    Zweifelsohne ist die Wut und erst recht der Hass zu verurteilen, da man unterscheiden muss zwischen Juden und der israelischen Politik. Denn man sieht, was für gravierende Fehler Politiker, egal welchem Glauben oder welcher Ideologie sie sich zuordnen, auch in anderen Ländern machen und das Schicksal von so vielen Menschen und sogar der Welt bestimmen.
    Ich hoffe, dass Sie viele Flüchtlinge und Migranten, aber auch andere, die nicht zu dieser Kategorie gehören, ermuntern können, mitzumachen und die Begegnung mit verschiedenen Religionen und Ideologien zu wagen, letztendlich Diversity, sprich: Vielfalt zu leben.
    Viel Erfolg wünsche ich Ihnen.

    Dr. Zahide Özkan-Rashed

    • Sehr geehrte Frau Dr. Özkan-Rashed,
      danke für Ihren Kommentar!
      Denn genau darum geht es: Endlich zwischen Judentum und der Politik Israels zu unterscheiden. Ich hoffe sehr, dass wir in diesem Bereich in den nächsten Jahren endlich Fortschritte machen.
      Dass Menschen wie Sie, Hussam Alsaher, sich dieses Themas annehmen, berührt mich und gibt mir Hoffnung.
      Alles Gute weiterhin und schreiben Sie mal wieder, vielleicht auch einen konkreten Einblick in Ihre Erfahrung bei diesem Verein.
      Ich finde es sehr interessant, die Sichtweise von Migranten wie Ihnen zu verstehen, von denen ich und wir zudem sehr viel lernen können.
      Herzliche Grüße aus München

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