„Der Tag wird kommen…“. Frauen aus Afghanistan schreiben

Foto: Susanne Brandt

Bei meinen wöchentlichen Begegnung mit Geflüchteten aus Afghanistan ist die Situation von afghanischen Frauen immer wieder ein Thema. Wir tauschen dazu Erfahrungen aus – und wir erzählen einander von Nachrichten und Entwicklungen, die uns hier in Deutschland über die Medien oder über die Nachrichten aus dem Familienkreis erreichen.

Frauen aus Afghanistan schreiben auf “Free women writers”

Seit einiger Zeit liefert dabei ab und zu der Online-Blog von „Free women writers“ mit seinen interessanten Berichten, aber auch Gedichten und literarischen Geschichten in Englisch und Persisch interessante Impulse für unsere Gespräche.

„Free women writers” – unter diesem Titel haben sich schreibende Frauen in und aus Afghanistan (die heute z.T. in den USA leben) zusammengefunden, um mit literarischen und journalistischen Texten auf die Rechte der Frauen in Afghanistan und anderswo aufmerksam zu machen. In Ihren Gedichten und Geschichten thematisieren sie Gewalterfahrungen, den Schmerz unerfüllter Liebe und immer wieder den Hunger nach Bildung und Selbstbestimmung.

Frauen verbinden sich weltweit mit deutlichen Worten für Bildung und Selbstbestimmung

Mit der Seite, zu der es im Netz eine persische und eine englische Version gibt, verbinden sie das Anliegen, mit ihrer Stimme überall auf der Welt gelesen und gehört zu werden. Es gehört zu ihrem ausdrücklichen Wunsch, dass die dort veröffentlichen Texte mit entsprechenden Angaben zur Quelle und zum Namen der Verfasserinnen im Netz geteilt und weiter veröffentlicht werden, gern auch in anderen Sprachen. Eine der Frauen, die mit ihren Gedichten zu den „Free women writers“ gehören, ist Hosnia Mohseni.
Von ihr stammt folgendes Gedicht von der Kraft der Poesie als Freiheitserfahrung, das wir hier als deutsche Nachdichtung vorstellen:

Der Tag wird kommen

Schwester,
der Tag wird kommen, da werden wir fliegen – du und ich,
über die stolzen Berge unseres Landes.
Ein Tag wird kommen, da werden die Türen nicht mehr verschlossen sein.
Und sich verlieben – das ist dann kein Verbrechen mehr.

Du und ich, wir werden unsere Haare fliegen lassen,
rote Kleider werden wir tragen
und die Vögel unserer weiten Wüsten
werden berauscht sein
von unserem Lachen.
Tanzen werden wir zwischen den roten Tulpen von Mazar
in Erinnerung an Rabia*.

Der Tag ist nicht mehr weit.
Vielleicht ist er nur eben um die Ecke.
Vielleicht wohnt er in unserer Poesie.

Hosnia Mohseni
Deutsche Nachdichtung: Susanne Brandt

*Rabia: persische Mystikerin und Dichterin von Liebeslyrik des 10. Jahrhunderts.

Wer die Frauen und ihr Engagement noch in einer anderen Weise unterstützen möchte, kann das durch den Kauf und die Verbreitung ihrer neu erschienen Anthologie „You are not alone“ tun. In dem Buch setzen sich afghanische Frauen literarisch mit ihren Rechten wie auch mit Gewalterfahrungen auseinander. Mehr dazu:
https://www.freewomenwriters.org/not-alone-booklet-afghan-women-facing-violence/

Susanne Brandt

 

Quelle der englischen und der persischen Fassung des Gedichts: https://www.freewomenwriters.org/two-poems-afghan-women-give-hope/

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