Ein Traum wird wahr. Die Geschichte des HSV-Spielers Bakery Jatta.

Foto von Pablo.

Wer hat als junger Fußballspieler nicht davon geträumt? Profi werden, Bundesliga, Champions League, Nationalmannschaft, Weltmeister. Vom Spiel auf dem Schulhof im Stadion einlaufen.
Dieser Traum aber, er wird nur für sehr wenige wahr. Einer davon ist Bakery Jatta, Flüchtling aus Gambia. „Finally… The adventure begins“ titelt Jatta auf seiner Facebook-Seite am 7. Juni 2016 und damit einen Tag nach seinem Geburtstag. Gerade erst volljährig geworden, unterschreibt er seinen Profi-Vertrag beim HSV.
Sein Weg dorthin war ein ganz anderer als der des in Europa zur Schule gegangenen Jungen, der dem Traum vom Fußballprofi nachläuft. Er ist aus Gambia geflohen. Das Land ragt langgestreckt ins Landesinnere von Senegal und liegt am Fluss Gambia. Es ist seit 1965 unabhängig von Großbritannien. Dabei passt es der Fläche nach anderthalb mal in Schleswig-Holstein. Kein Wunder also, dass sich Bakery Jatta an der Elbe im kleinen Bundesstaat Hamburg so wohl fühlt?

“Mein Weg zeigt, dass jeder, ob Flüchtling oder nicht, alle Ziele erreichen kann”

Auf seiner Flucht von der gambischen, an die norddeutsche Küste in 2015 mit gerade einmal 17 Jahren musste er dabei 6.000 Kilometer zurücklegen. Im Interview mit der Bild-Zeitung sagte der Hamburger Stürmer, dass er unter ständiger Angst vor dem Ungewissen litt.  Lange war er ganz auf sich allein gestellt. So fand er seinen Weg durch die Sahara. Im dritten Versuch schaffte er es schließlich mit dem Boot über das Mittelmeer.
Bakery Jatta ist ohne Eltern aufgewachsen. Ohne Angehörige oder eine Perspektive hielt ihn nichts mehr in Gambia. “Ich hatte einfach nur den Traum von einem besseren Leben, einer fairen Chance auf eine gute Zukunft. Mein Weg zeigt, dass jeder, ob Flüchtling oder nicht, alle Ziele erreichen kann”, sagt er im Interview mit der Bild. Er wollte ein neues Leben beginnen, endlich wieder glücklich sein. Dabei wollte er ursprünglich wegen der Perspektiven und Bildung nach Deutschland, nicht des Fußballs wegen. “Ich hätte nie zu träumen gewagt, Fußball-Profi zu werden”. Geholfen haben ihm dabei sein Berater Efe-Firat Aktas und dessen Cousin Mahmut. In Gambia wurde meist barfuß auf Beton gekickt. “Wer Fußballschuhe hatte, war wie ein König”.

“Wir werden alles dafür tun, dass wir ihn gut aufnehmen”

In Deutschland ging alles ganz schnell: angekommen in 2015, Aufnahme in einer Fußballakademie in Bremen und Anfang 2016 Probetraining beim HSV. Ein halbes Jahr später bereits der Profi-Vertrag für drei Jahre. Dietmar Beiersdorfer – damaliger Vorstandsvorsitzender – sagt bei HSVtv: “Wir hoffen, dass er eine gute Integration hat und wir werden alles dafür tun, dass wir ihn gut aufnehmen.”

Jatta hat gleich die spezielle Atmosphäre in Hamburg gespürt. Der junge Fußballspieler wurde vom Trainer und Vorstand mit offenen Armen empfangen und hatte das “Gefühl hier richtig zu sein”, wie er nach dem Interview auch auf seiner Facebook-Seite titelt. So kommt er ohne Fußballausbildung zum Vertrag. Neben dem intensiven Training hat er in Deutschland aber immer auch die Schulbank gedrückt und jeden Tag Deutsch gelernt. Denn “am Ende des Tages muss er sich integrieren”, so die Meinung seines Beraters Efe-Firat Aktas. Zwei Monate später erhält er seinen Aufenthaltstitel, beschränkt auf drei Jahre (Facebook / Transfermarkt.de).

“Ich verfolge immer noch meinen großen Traum, ich will in der Bundesliga spielen”

Nach elf Toren in 16 Regionalliga-Spielen und gleich zwei weitere bei seinem Debüt in der U21 des HSV geht es weiter. Im Interview mit HSV total! sagt der Stürmer, dass er immer hart trainiert hat, um bereit zu sein, wenn der Trainer ruft. “Ich verfolge immer noch meinen großen Traum, ich will in der Bundesliga spielen”, so Jatta auf seiner Facebook-Seite am 12. Januar 2017. In der 83. Minute des 106. Nordderbys gegen Bremen war es dann soweit: Der Trainer rief ihn auf das Spielfeld. Am 16. April 2017 bestreitet der Angreifer seine ersten Minuten für den HSV in der Bundesliga. “This is a big feeling, a big moment for me”, so Jatta nach dem Spiel.

Jatta hat sich in das Land verliebt

Bakery Jatta hat sich integriert, geht an der Alster spazieren, in der Stadt was trinken, beobachtet das Treiben und mag die Menschen in Deutschland. Er hat sich in das Land verliebt. Er sieht bei Auswärtsspielen immer wieder neue Dinge und sammelt jeden Tag neue Erfahrungen, wie er im Interview zum Tag gegen Rassismus im HSVtv berichtet. Rassismus oder auch respektlosen Umgang hat er in Deutschland auch schon erlebt. Das ist seiner Meinung nach aber kein besonderes Problem in Deutschland, sondern kommt überall auf der Welt gleichermaßen vor.
Der gläubige Moslem betet regelmäßig “in good moments and in bad moments”. Einen seiner schönsten Momente seines Lebens, so sagt er im Interview bei HSVtv, sei das Spiel gegen Wolfsburg 2017 gewesen, das letzte der Saison, der Klassenerhalt.
Der Hamburger Mittelfeldspieler wird bald 20 und hat es in die erste Liga geschafft: Spieler beim HSV. Ein Traum wird wahr.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bakery_Jatta
https://www.transfermarkt.com/bakery-jatta/profil/spieler/415194
https://www.hsv.de/profis/spieler/hsv-spieler/player-18/?tx_hsvkeyname_player%5Bplayer%5D=27&tx_hsvkeyname_player%5Baction%5D=show&tx_hsvkeyname_player%5Bcontroller%5D=Player&cHash=b73e572c97c1c78a71efdb0c8ad68401
https://www.facebook.com/BakeryJatta/
http://tv.hsv.de/
https://www.bild.de/bild-plus/sport/fussball/bakery-jatta/der-hsv-profi-spricht-ueber-seine-flucht-aus-gambia-51974600,jsRedirectFrom=conversionToLogin.bild.html
https://www.transfermarkt.de/hamburger-sv-offensiv-talent-jatta-erhalt-aufenthaltsgenehmigung/view/news/246059

Artikel von Moritz Plambeck

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