Mit dem Flixbus von Prag nach Berlin.

Foto von Hussam Al Zaher

Alaa und ich lernten uns im Oktober 2017 am Prager Hauptbahnhof kennen. Es war einer dieser Tage, an denen das Wetter mal wieder den Bahnverkehr lahmlegte. In Deutschland ging gar nichts mehr. Wir beide hatten glücklicherweise eines der letzten Flixbustickets ergattert. Der Bus hatte allerdings auch Verspätung. Bei Regen und Wind suchten wir die richtige Haltestelle und fanden einander.

Noch vor Ort kamen wir ins Gespräch. Als der Bus dann da war, setzten wir uns nebeneinander und unterhielten uns die kompletten fünf Stunden von Prag nach Berlin — auf Englisch wohlgemerkt. Wir kannten kaum Punkt und Komma. Selbst als andere Leute meinten, wir sollten doch schweigen – tagsüber in einem öffentlichen Bus.

Melina Seiler

Für den Job nach Berlin

Alaa kam 2012 aus Syrien als „Software Engineer“ nach Berlin. Er ist kein Flüchtling, wie er immer wieder betont, er ist gekommen, um seinen Job anzutreten. Seit er in Deutschland ist, hat er viel erlebt: verrückte WGs, coole Freundschaften und einen Arbeitsplatzwechsel. Er hatte auch schon eine Beziehung mit einer deutschen Frau, die ihm die Stadt und das Land nähergebracht hat.

Dass er kaum Deutsch spricht, liegt vor allem daran, dass er bei einem britischen Unternehmen arbeitet. Dort sprechen alle Englisch und in Berlin ist das ja allgemein auch kein Problem. Es zeugt aber keinesfalls von schlechter Integration. Alaas Werte sind europäischer, als die vieler Europäer.

Freundschaften entstehen durch verrückte Zufälle

Alaa gehört für mich zu den wenigen Menschen, zu denen man schon im ersten Moment eine Verbindung spürt. Zu denen Leuten, bei denen man das Gefühl hat, dass man auf einer Wellenlänge ist und einen ähnlichen Blick auf die Welt teilt. Wenn wir uns unterhalten, sprechen wir über alles und lassen selten ein Thema aus. Wir sprechen über unsere Arbeit und über unsere Ziele und Träume. Über Freundschaft und Liebe. Oder erzählen uns einfach, was gerade so passiert im eigenen Leben.

Seit wir uns in Berlin am ZOB verabschiedeten, haben wir uns persönlich leider nicht wiedergesehen, dafür aber viel geschrieben und telefoniert. Uns zeigt das, dass Menschen durch die verrücktesten Zufälle aufeinandertreffen können. Egal wie weit weg ihre Heimatländer liegen, sie können sich im anderen wiederfinden. Für uns ist klar, wir werden uns wiedersehen. Wenn ich erstmal fest in Hamburg wohne, ist Berlin auch gar nicht mehr so weit weg. Dass wir Kontakt halten werden, steht für uns außer Frage.

Text: Melina Seiler

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