Pastor Endlich über Freundschaft: „Jeder Mensch braucht Beziehungen!“

Foto von Matthias Endlich

Freundschaft ist sehr wichtig für uns Menschen, wir sind absolute Beziehungswesen und nicht dazu gemacht, alleine zu sein. So steht es auch im Schöpfungsbericht ganz am Anfang der Bibel: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“

Mein Name ist Markus Endlich. Ich bin 47 Jahre alt und arbeite seit acht Jahren als Pastor in der City Church Hamburg. Wir sind eine Gemeinde mit drei Zweigen: dem deutschen, dem englischen sowie dem spanischen. Ich bin für den deutschen Zweig zuständig.

Der Mensch ist absolut auf Beziehungen angelegt. Natürlich gibt es sehr unterschiedliche Intensitäten von Beziehungen, denn jeder Mensch ist anders, hat eine andere Persönlichkeit, das gilt es zu beachten. Aber grundsätzlich braucht jeder Mensch Beziehungen.

Darüber hinaus benötigen wir alle Anteilnahme, Korrektur und Reflexion. In dem Moment, in dem ich mit einem anderen Menschen eine engere Beziehung eingehe, wird mein Verhalten gespiegelt, ich bekomme eine Rückmeldung. Und genau das ist es, worauf jeder von uns angewiesen ist.

Freunde akzeptieren einen so wie man ist

Doch was ist Freundschaft überhaupt? Es ist nicht einfach, diesen Begriff zu definieren. Für mich ist ein Freund ein Mensch, mit dem ich ohne Vorbehalte reden und auch diskutieren kann. Er schenkt mir seine Freundschaft ohne Vorbedingungen. Und er sagt mir auch Dinge, die vielleicht ein wenig unangenehm, dafür aber notwendig sind. Freundschaft heißt in diesem Zusammenhang auch, dass ich ihm diese ehrlichen Worte nicht übel nehme, eben weil ich weiß, dass er mich gernhat, bedingungslos, so wie ich bin.

Ich selber merke, dass es sehr viel leichter ist, Freundschaft mit Menschen zu schließen, mit denen ich eine Geschichte habe, mit denen ich Sachen erlebt habe, die uns verbinden. Natürlich sind auch gemeinsame Interessen wichtig. Aber ich bin beispielsweise mit den Menschen aus meiner Jugend viel enger befreundet, als mit denen, die ich erst später kennengelernt habe, eben weil wir zusammen aufgewachsen sind. So etwas schweißt zusammen, macht die Freundschaften, die Bindungen stark. Vielleicht sind die Freundschaften aus unserer Kindheit auch einfach wie ein Übungsfeld für die Freundschaften im späteren Leben. Ich persönlich bin mit meinen Kindheitsfreunden immer noch wirklich sehr eng befreundet. Das sind Freundschaften, die ein Leben lang halten.
Je älter wir werden, desto schwieriger wird es, die Schale an emotionalen Schutz, die wir um uns errichten, zu durchbrechen, um den Menschen wirklich in der Tiefe zu begegnen. Denn wenn man jung ist, ist diese Schale noch nicht so hart.

Und manchmal gibt es auch so etwas wie Seelenverwandtschaft: Man ist sich sehr nahe, versteht sich auch ohne viele Worte. Das ist etwas sehr Wertvolles.

Nicht jede Freundschaft hält ein Leben lang

Doch ist es wichtig, dass wir unsere Freundschaften pflegen, wir uns bei unseren Freunden regelmäßig melden und dass wir in Kontakt bleiben, Interesse an dem jeweils anderen zeigen. Und dennoch lässt es sich leider nicht vermeiden, dass Freundschaften auch auseinandergehen, dass sie zerbrechen. Manche Konflikte lassen sich einfach nicht lösen, das gehört nun mal zum Leben dazu. Die Wege trennen sich.

Als Pastor habe ich mit ganz vielen Menschen, ganz viele unterschiedliche Beziehungen zu tun. Ich habe nicht nur Kontakt zu meinen Arbeitskollegen, sondern mit begegnen auch Menschen, um die ich mich kümmern muss, Menschen, für die ich seelsorgerisch tätig bin. Auf der einen Seite ist diese Fülle an Beziehungen etwas unglaublich Schönes, auf der anderen Seite kann es auch sehr belastend sein.

Ich muss mich gut abgrenzen. Aufgrund meiner Arbeit ist mein Bekanntenkreis also sehr groß. Aber richtige, enge Freunde habe ich an die zehn.

 

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