„Die Menschen in Syrien helfen sich auch gegenseitig“

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Mein Name ist Yassin Ied. ich bin 30 Jahre alt und lebe hier in Hamburg. An der TU Harburg habe ich zunächst meinen Bachelor in Verfahrenstechnik gemacht. Danach habe ich die Chance genutzt, bei einem jungen Start Up, welches im Bereich Gesundheitswesen tätig ist, als Entwicklungsingenieur zu arbeiten. Später musste ich jedoch feststellen, dass ich, um beruflich weiterzukommen, schon den Master benötige. Und mir war auch klar, dass ich mir zusätzlich betriebswirtschaftliches Know How aneignen müsste. Also habe ich mich erneut an der Universität für den Master in Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben.

Ehrenamtlich engagiert, um anderen zu helfen

Außerdem bin ich ehrenamtlich sehr engagiert: in der Freien Deutsch Syrischen Gesellschaft, einem Verein, der 2012 von meinem Vater in Kooperation mit mehreren Deutsch-Syrern, die alle schon lange hier in Deutschland leben, gegründet wurde. Ich persönlich bin auch seit 2012 mit dabei, habe also die Anfänge des Vereins, die ersten Schritte begleitet. Mittlerweile hat unser Verein so an die 25 Mitglieder. Ich selber bin auch Vorstandsmitglied, habe die Aufgabe des Schatzmeisters übernommen. Darüber hinaus bin ich aber in so ziemlich alle Aktivitäten unseres Vereins mit involviert. Das lässt sich ja als Schatzmeister auch gar nicht anders handhaben.

Humanitäre Hilfe direkt vor Ort und in den Anrainerstaaten

Wir haben zunächst überwiegend humanitäre Hilfe direkt vor Ort in Syrien geleistet. Das ging gut, weil wir viele Verbindungen nach Syrien haben. Freunde und Familie von uns leben dort. Wir hatten demnach also gute Kontakte, die wir nutzen konnten um vor allem über die Türkei Hilfsgüter in das Land zu transportieren. So haben wir die Menschen in dem von Krieg gebeutelten Staat mit Winterkleidung, Medikamenten und Babysachen versorgt, aber auch mit technischen Geräten.
Und wir kümmern uns um diejenigen Syrer, die in die Anrainerstaaten geflüchtet sind.
So haben wir zum Beispiel im Libanon den Aufbau einer Schule unterstützt und begleitet, ein Projekt, welches aktuell immer noch läuft und welches auch gut umsetzbar ist, ganz einfach aus dem Grund, dass der Libanon weitaus gefestigter und stabiler als Syrien ist. Es handelt sich dabei um eine Grundschule für Jungen und Mädchen. Sie bekommen dort Schulbildung und einen einigermaßen gefestigten Tagesablauf. Und ihnen werden auch Aktivitäten außerhalb der Schule angeboten, zum Beispiel Sport, Musikkurse oder gemeinsames Basteln.

“Die Lage in Syrien ist vor allem für die ländliche Bevölkerung unerträglich”

Doch die Menschen in Syrien helfen sich vor Ort auch gegenseitig: So hat es sich ergeben, dass die Kinder und ihre Betreuer in Sicherheit gebracht werden konnten. Sie haben ein neues Gebäude in einem ca. 8 km entfernten Ort gefunden. Am Anfang war dies zwar nur eine Art Notunterkunft mit Notversorgung, doch nach und nach werden auch dort die Strukturen wieder so aufgebaut, dass die Kinder regelmäßig versorgt werden – auch medizinisch.

Dadurch, dass ich syrische Wurzel habe, fühle ich mich mit den Menschen dort verbunden. Das macht einen Großteil meiner Motivation aus, mich ehrenamtlich so einzusetzen, halt ohne Geld dafür zu bekommen. Ich habe es aber auch nie anders vorgelebt bekommen. Sowohl mein Vater als auch meine Mutter haben sich immer stark in sozialen Projekten engagiert.

Doch unser Engagement vor Ort wird immer schwieriger. Die politische Lage erschwert den Zugang zusätzlich. Und auch für unsere Kontakte vor Ort ist es zunehmend ein wirklich sehr gefährlicher Einsatz. Die Lage in Syrien ist vor allem für die ländliche Bevölkerung unerträglich. Hunger und Kälte tragen zu dieser Jahreszeit ihr Übriges bei. Das bereitet mir Sorgen. Doch ich hoffe natürlich, dass die Syrer vor Ort zu einem lebenswerten Alltag finden und der Frieden in Syrien einkehrt.

 

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