Hier habe ich Hoffnung für meine Zukunft

© Eugenia Loginova

Ich heiße Abode. Eigentlich ist mein Name viel länger, aber ich möchte so genannt werden. So nennen mich auch meine Freunde. Ich komme aus Syrien, aus der Stadt Homs. Das ist die drittgrößte Stadt in Syrien, sie liegt in der Mitte meines Landes. Ich habe in der Schule bis zum Abitur studiert und dann ein Jahr BWL an der Uni.

Ich bin 21 Jahre alt. Ich habe noch drei Brüder. Als Jüngster musste ich meiner Mutter im Haushalt helfen, so ist die Tradition bei uns. Meine Mutter arbeitete als Frauenärztin und mein Vater ist Apotheker. Leider wurde die Apotheke im Krieg zerbombt. Dann sind wir geflohen. Ich und zwei meiner Brüder. Mein Zwillingsbruder blieb bei meinen Eltern in Syrien, sie sind schon alt und krank. Ich weiß nicht, was schlimmer war: der Krieg oder auf der Flucht zu sein.

So bin ich mit einem meiner Brüder in Hamburg gelandet, der andere ist in Flensburg. Wir leben zur Zeit im Flüchtlingscamp, im Container. Ich mache jetzt den Deutsch- und Integrationskurs B1. Leider ist das Lernen im Camp sehr schwierig, da wir keinen Zugang zum Internet, kein Fernsehen und kein Radio haben. Früher gab es nur Zelte im Flüchtlingscamp. Und es war sehr kalt im Winter. Keine Heizung und lange Warteschlangen im Bad und bei der Essensausgabe. Dann gab es Probleme mit meinem Bescheid und der Aufenthaltserlaubnis. Ich habe eine Anwältin bekommen und sie hat sich um die Sache gekümmert. Jetzt habe ich Schulden, denn ich muss der Anwältin 500 Euro zahlen.

Aber das schaffe ich. Ich bekomme 400 Euro pro Monat Geld vom Jobcenter und bezahle in Raten, 50 Euro pro Monat.
Die Hälfte habe ich schon abgezahlt.

Gerade sind mein Bruder und ich auf Wohnungssuche. Das stresst mich sehr, da ich Angst vor einer Absage habe. In meiner freien Zeit komme ich zum „Ankerplatz Flüchtlingshilfe“. Ich helfe hier und betreue Kinder von anderen Flüchtlingen. Dieses Angebot bekam ich von einem meiner Freunde, Abud. 

Ich bin trotz aller Schwierigkeiten und Probleme für alles sehr dankbar. Zu Hause müsste ich sofort zum Militär. Ich müsste dann vielleicht Menschen töten oder würde selber getötet. Alles ist besser als das.

Hier habe ich Hoffnung für meine Zukunft.

2 Kommentare

  1. Hallo. Du hast eine gute Einstellung. Ich wünsche Dir viel Glück bei der Wohnungssuche und dass Du die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt bekommst. Und mach doch einfach mal ein Praktikum bei Mercedes. Alles Gute für Dich und Deine Familie und viele Grüße von Carina

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