Ich habe drei Länder in meinem Herzen

von:Eugenia Loginova

Mein Name ist Sana Altouqi, geboren in Damaskus, Syrien. Mein Alter möchte ich nicht verraten, sagen wir: 35 (lacht).

Mein Vater und meine Mutter kommen aus Palästina. Wir lebten im Al Yarmouk Camp in Damaskus, wo auch viele Palästinenser untergebracht waren. Obwohl es ein Flüchtlingslager war, lebten wir in richtigen Häusern und konnten arbeiten und studieren. Ich habe an der Universität in Damaskus Englisch und Literatur studiert und danach noch eine Ausbildung als Buchhalterin gemacht. Danach habe ich beim Ministerium für Energie, im Bereich Import und Versicherungen, als Buchhalterin und Übersetzerin gearbeitet.

Als der Krieg in Syrien ausbrach und das Al Yarmouk Camp von ISIS eingenommen wurde, musste meine Familie fliehen. Meine Mutter, meine zwei Schwestern und ich sind über die Türkei und Griechenland im August 2015 nach Deutschland gekommen, andere Familienmitglieder nach Holland und Saudi-Arabien.

Jetzt bin ich hier und lerne Deutsch. Ich finde die Sprache sehr schwierig, das Lernen fällt mir schwer. Ich bin immer noch bei der B1-Stufe. Ich versuche mit den Anderen zu üben. Ich mache momentan auch ein Volontariat als Übersetzerin aus dem Arabischen, bei einer Rechtsberatung für Flüchtlinge.

Zusammen mit den anderen Frauen geben wir Sonntags Kinderunterricht im Flüchtlingsheim. Ich unterrichte dort Englisch. Vielleicht kann ich später als Englischlehrerin für alle Altersklassen arbeiten oder als Übersetzerin in einem Büro.

Im Sommer war ich jeden Tag in Hamburg spazieren, bin ins Museen gegangen. Mir gefällt es hier sehr, besonders mag ich den Elbstrand und die Hafencity- oder mit der Fähre zu fahren. Ich fahre auch gerne Rad, mache regelmäßig Fitness.

Zu Hause hatten wir ein gutes Leben. Und jetzt hoffen wir auf ein gutes Leben hier. Wer möchte schon getötet werden? Deutsche Kultur ist ganz anders und es braucht Zeit, sie zu begreifen, sich zu integrieren. Die Freiheit, das ist hier gut.

Ich habe drei Länder in meinem Herz: Syrien, Palästina, meine Heimat und jetzt Deutschland.

1 Kommentar

  1. Moin Sana. Schöner Artikel. Er macht sicherlich vielen Flüchtlingen Mut. Leider können meine Syrischen Freunde noch nicht alles lesen. Kannst du es nicht nochmal auf Arabisch schreiben?

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