Ich kann nicht nach Syrien zurück

@Robert Löbel

 

Zuerst bin ich in den Libanon gegangen, wo mein Onkel gewohnt hat. Ich bin zusammen mit meiner Mutter fast ein Jahr lang dort geblieben. Viele meiner Freunde in Deutschland meinten: „Komm her, du kannst ins Krankenhaus gehen und behandelt werden.“ Deshalb bin ich in die Türkei geflogen, dann mit dem Boot nach Griechenland gefahren und durch Mazedonien, Serbien und andere Länder mit Bus und Bahn gefahren, bis ich Deutschland erreicht habe. Ich war allein. Ich musste nicht rennen oder über Zäune klettern. Ich habe in jedem Land einfach auf meine Abschiebepapiere gewartet, dann durfte ich weiterreisen. In Serbien musste ich zwölf Stunden warten, in der gleichen Position mit meinem Rucksack auf dem Rücken, darauf, dass dieses Papier ausgestellt wird. Als ich aus Serbien ausgereist bin, waren meine Beine dick und angeschwollen, ich konnte nicht mehr laufen.

Die Ärzte helfen mir nicht
In Deutschland wurde ich in einem Heim in Zschopau untergebracht. Ich habe mich zu diesem Zeitpunkt seelisch gebrochen gefühlt. Ich bin immerzu aufgewacht und war in einer ganz schlechten Gemütsverfassung. Ich hatte auch Probleme mit dem Essen. Das meiste Essen ist zu reichhaltig für mich. Ich kann nur Reis und Gemüse essen. Achtzehn Tage nach meiner Ankunft dort wurde ich zu einem Arzt gebracht. Ich habe ihm meine Geschichte und meine Situation berichtet. Er meinte, er hätte keine Therapie für mich und kein Arzt auf der Welt wäre in der Lage, mich zu behandeln. Er meinte, ich müsse mit meinem Zustand leben. Das war sehr schwierig für mich. Ich habe mir gewünscht, dass ich nie nach Deutschland gekommen wäre, oder dass ich auf dem Weg hierher gestorben wäre, im Meer ertrunken oder so was.

Seitdem war ich bei vielen Ärzten und jeder gibt mir andere Medikamente und andere Diagnosen. Einer denkt, dass ich etwas mit ähnlichen Symptomen wie Multiple Sklerose habe. Ich habe das Gefühl, dass ich besser dran war, bevor ich nach Deutschland gekommen bin. Die Ärzte sagen alle, dass ich eine Geisteskrankheit habe. Ich denke, ich bin normal. Ich lache und fühle mich gut, außer wenn ich beim Arzt bin, dann bin ich deprimiert.

Ich verlasse mich jetzt mehr auf mich selbst
Ich bin vor Kurzem nach Dresden gezogen. Ich vermisse das Heim, weil es da Leute gab, die auf mich aufpassen konnten. Hier musste ich meine Nachbarn bitten, den Krankenwagen zu rufen, als ich gestürzt bin, und als ich ins Krankenhaus gefahren bin, hatte ich eine Panikattacke. Mein Puls schoss nach oben, als sie mich ins Krankenbett gelegt haben. Ich konnte nicht schlafen, ich hatte solche Angst. Ich hoffe immer noch, dass ich einen Arzt finde, der mir helfen kann, aber ich verlasse mich jetzt mehr auf mich selbst. Ich habe aufgehört, diese ganzen Medikamente zu nehmen und mir ein paar Sportgeräte gekauft, mit denen ich hier zu Hause trainieren kann.

Ich will nicht in Deutschland bleiben, aber ich kann nicht zurück nach Syrien. Meine Familie lebt in Ghuta in der Nähe von Damaskus, das von der Regierung abgeriegelt wird. Sie hungern. Es herrscht großes Leid; sie haben keinen vernünftigen Zugang zu Wasser, Elektrizität, Gas. Meine Mutter ruft an und fragt: „Bist du glücklich? Geht es dir besser?“ Und ich sage: „Ich bin glücklich und es geht besser.“ Ich bin nicht glücklich, und es geht mir nicht besser, aber was soll ich machen? Ich kann ihren Kummer nicht vergrößern. Mein Vater ist an einem Herzinfarkt gestorben, ich glaube, der Verlust seiner Söhne hat sein Herz gebrochen.

dieser Bericht ist von: People in Dresden/Leute in Dresden

1 Kommentar zu "Ich kann nicht nach Syrien zurück"

  1. Hallo Sarhan! Deine Geschichte tut mir sehr Leid, sie klingt sehr traurig. Ich wünsche dir viel Kraft, um dein Leben in Deutschland Stück für Stück zu verbessern.

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