Segeln mit Freunden

Im Mai veranstaltete die Benita Quadflieg-Stiftung in Hamburg einen Segeltörn mit Deutschen und Flüchtlingen. Das Schiff startete in Hamburg und segelte dann eine Woche in der Ostsee. Die Crew bestand aus einem versierten Skipper und vier ehrenamtlichen Seglern, zumeist Sozialarbeitern. Die Deutschen und Flüchtlinge waren sogenannte „Tandems“, die sich im Rahmen des Vereins „Start with a friend“ kennengelernt hatten.
Ziel war es, dass sich diese „Tandems“ noch vertrauter werden und ein gemeinsames Erlebnis teilen können. Aber auch, dass die Flüchtlinge aus ihren Alltagssorgen rauskommen- und nicht zuletzt die oft traumatischen Erfahrungen mit Wasser und Booten verarbeiten können. Es war eine besondere Reise für alle Beteiligten!
Für das Flüchtling-Magazin haben uns Sonja Heinrich, vom Verein „Start with a friend“, ihr Tandempartner Azim aus Syrien, sowie Sabri aus Syrien, von ihrem gemeinsamen Segeltörn erzählt.


Sechs Tage auf See

Sonja: Als ich das erste Mal auf unserem Teamtreffen gehört hatte, es wird eine Segeltour für Tandems geben, fingen meine Augen an zu glänzen.
Azim: Sonja hat mir gesagt: „Es gibt einen Segeltörn bei SWAF! Wenn du mitsegeln möchtest, kannst du mir Bescheid sagen“.
Sabri: Ich habe ein Email von Angelika bekommen. Es war eine Einladung zu einem Segeltörn. Aber meine Tandempartnerin hatte keine Zeit dafür, deswegen habe ich mir gedacht, dass ich ohne meine Tandempartnerin keinen Spaß haben werde. Da habe ich den Segeltörn erst mal abgesagt.
Azim: Ich hatte erst ein bisschen Angst, weil ich nicht allein auf die Segeltour gehen wollte und ich mich mit segeln nicht auskannte. Dann habe ich im Internet nach Segeltouren gesucht und darüber gelesen. Danach hatte ich mich noch immer nicht zu 100 Prozent entschieden.
Sabri: Nach einer Woche habe ich Azim getroffen, mein bester und einziger Freund, den ich vor eineinhalb Jahr in Hamburg kennengelernt habe. Er hat mir erzählt, dass er sich für den Segeltörn angemeldet hat und sagte, dass ich auch dabei sein soll. Diese Nachricht hat mich sehr gefreut und dann habe ich mich entschlossen, mit Azim diese Reise zu machen. Ich war so sicher, dass wir zusammen eine schöne Zeit verbringen würden.

Sonja: Wir hatten Glück, dass es noch freie Plätze gab und ich hab mich gefreut, dass Azim Lust und Zeit hatte, mitzufahren. Denn das bedeutete, ich konnte auch mitfahren.
Azim: „Segeln, was ist das !??“ das habe ich mich gefragt. Ich habe viele Schiffe im Hafen und auf der Alster gesehen und ich hatte immer Interesse. Dann brauchte ich Zeit zu überlegen. „Wie, wo, wann, wer“… ich habe Sonja zu viele Fragen gestellt. Dann habe ich gesagt „Wir müssen zusammen segeln gehen, oder gar nicht!!“ Ich dachte, es wird ein Urlaub. Ich wusste nicht, dass es ein Abenteuer sein würde. Erst als ich die Fortuna gesehen habe, ein echtes Schiff aus Holz und Metall.

Sonja: Ich hatte auch Urlaubshoffnungen. Ganz leise im Hinterkopf drängelten sich immer wieder die Gedanken durch: wie sind wohl die Schlafplätze? Ob das Wetter immer noch so kalt ist Anfang Mai? Bin ich fit genug für solch eine Fahrt? Aber ich hab dann gehofft, dass diese Fragen einfach nur unnötige Gedanken aus Unwissenheit sind.
Sabri: Am ersten Tag war ich war so überrascht, als ich alle Segel und Seile gesehen habe und fragte mich, wie man das alles machen kann. Aber als der Schiffskapitän uns gezeigt hat, wie es geht, war es einfacher als ich gedacht habe. Er hat uns in drei Gruppen geteilt, jeder hatte seine Aufgabe, zum Glück war ich in der Gruppe mit Sonja und Azim.
Um 16:00 Uhr haben wir die Segel hochgezogen und es ging los. Tschüss Hamburg, segeln auf der Elbe. Unsere Gruppe war dran mit Abendessen. Wir haben Spaghetti mit Pilzen gekocht, die sehr lecker waren, nur die Soße hat nicht ausgereicht.

Azim: Am ersten Tag mussten wir das Abendessen machen. Sonja, Sabri und ich haben das zusammen gemacht. Das machte Spaß, weil Sonja und Sabri große Experten beim Kochen sind.
Sonja: Und als wir dachten, das Abendessen hat ja recht gut geschmeckt, da hatten wir noch keine Ahnung wie lecker und gut alle dem folgenden Abendessen schmecken würden …. eines besser als das nächste! Die Verpflegung hätte besser nicht sein können. Und das, obwohl wir uns auf sehr engem Raum in kleiner Küche organisieren mussten.

Sabri: Das erste Ziel war der Hafen von Glückstadt, der Name von der Stadt klingt schön und ich hoffte, dass sie uns Glück bringt, um unsere Reise fortzusetzen. Als wir dort spazieren gingen, sahen wir, dass sie wirklich so eine schöne kleine Stadt war.
Am zweiten Tag ging es wieder los mit dem Motor, weil man durch den Kanal nicht segeln kann, da es keine Wellen und nicht genug Platz im Kanal gibt. Dieser Tag war ein besonderer Tag für mich, da ich ungefähr eineinhalb Stunden im Kanal gesteuert habe und das hat mir so viel Spaß gemacht. Unsere zweite Station war ein Hafen am Kanal und an Land gab es keine Stadt. Am dritten Tag haben wir wieder mit Motor gesteuert, das Ziel war Kiel, also endlich die Ostsee.

Azim: Ich erinnere mich noch an die hohen Segeltücher. Die haben wir auf der Ostsee ganz geöffnet. Es war echt toll, endlich wirklich zu segeln. Das Schiff war so schnell, die Sonne schien, starker Wind, alle im Team sahen glücklich aus. Der perfekte Moment.
Sonja: Das stimmt! Der beste Tag der Tour: Segeln auf der Ostsee. Man braucht einfach immer nur zu gucken, gucken, gucken, und schon war man zufrieden. Das war dann Urlaub. Weil auch die Arbeit an den Segeln richtig Spaß gemacht hat.

Sabri: Wir haben uns so lange auf die Ostsee gefreut und an jedem Tag gab es etwas Neues zu erleben: der Rhabarberkuchen, den Andrea und Lotte für uns gebacken haben, war so köstlich und lecker. Und die Natur, die so schön war. Eine fantastische Aussicht und der Geruch der Rapsfelder, die am Kanal entlang lagen und uns ein gemütliches und frisches Gefühl gaben.
Azim: Neue Leute und ein ganz neues System. Wir lebten für sechs Tage in einem Schiff und das bedeutete, ein ganz anderer Alltag. Jeden Tag sind wir zu einem neuen Hafen oder einer neuen Stadt gesegelt.

Sonja: Für mich war das erstaunlich und beeindruckend: wie gut die Zusammenarbeit klappte, obwohl man sich doch gar nicht wirklich kannte. Alle haben mitgemacht, und das Schönste war: alle hatten meistens gute Laune, egal was es zu tun gab.

Sabri: dann: eine schöne Tour geht zu Ende. Wir waren ein gutes Team, wie eine große Familie, die alles zusammen macht. Das Gefühl und die Erinnerungen bleiben lange.
Azim: Am letzten Abend wollten wir mit der ganzen Crew einen Abschiedsdrink nehmen und hatten das Glück, in Kappeln, unserer letzten Station, in einer Kneipe zu landen, wo der Chef extra für uns echte Falaffel gemacht hat.
Azim: Zum ersten Mal seit ich in Deutschland bin, war ich eine Woche rund um die Uhr in einer internationalen Gruppe zusammen. Wir haben vieles geteilt: Gedanken, Geschichten, Erinnerungen. Neue Erfahrungen mit vielen guten Momenten und sogar Diskussionen. Und wir lernten eine neue Sprache: die Segelsprache.

Sabri, Azim, Sonja: Danke an „Start with a Friend“ und besonders an Angelika und Dominique, die dies alles für uns organisiert haben. Sie sind in Gedanken mit uns gesegelt und haben sich auch aus der Ferne um uns gekümmert. Danke für das Glück, dass es so großzügige Unterstützung gab, die uns diese Tour ermöglicht hat. Und danke dem Segeltour-Team und der Fortuna-Crew, die uns sicher wieder nach Hause gebracht hat. Ahoi!

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Sonja Heinrich lebt seit 21 Jahren in Hamburg und arbeitet als Pädagogin. Sowohl in eigener Praxis mit autistischen Menschen, als auch als Ausbilderin in diesem Bereich in verschiedenen europäischen Ländern. In ihrer Freizeit engagiert sich die 52-Jährige bei „Start with a friend“.

Sabri Mustafa kommt aus Kobani in Syrien und ist 24 Jahre alt. Er ist seit einem Jahr und zehn Monaten in Deutschland. In Damaskus studierte er ein Jahr lang Betriebswirtschaft und Marketing- dann begann der Krieg. Deshalb floh er mit seiner Familie in die Türkei und arbeitete dort drei Jahre lang in einer Werkstatt und als Koch. Sabrin möchte gerne Sozialökonomie studieren oder eine Ausbildung als Bankkaufmann machen. In seiner Freizeit arbeitet er ehrenamtlich beim Hamburger Kulturschlüssel und hilft Menschen mit Behinderung.

Azim Khalifa ist 32 Jahre alt und kommt aus Syrien. Er ist Bauinginieur von Beruf und lernt zurzeit Deutsch. Seit beinhahe zwei Jahren lebt er in Hamburg und wohnt jetzt in einem Studentenwohnheim. Sonja ist seine Tandempartnerin, sie haben sich im März 2017 kennengelernt.

1 Kommentar zu "Segeln mit Freunden"

  1. Mein Name ist sabri 😂nicht sabrin

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